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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

wahrscheinlich als Anhänger des Vicegrafen. Einige Bürger erhobenBeschuldigungen gegen sie und die Gemeindevorsteher wurden ver-haftet. Nicht lange nachher ereilte indeß die Mörder des Grafenund die Ankläger der Juden eine harte Strafe. Roger verschafftesich Hilfstruppen von dem aragonischen Könige Alfonso und belagerteBeziers. Indessen mußte er Anfangs mit den Bürgern Friedenschließen und ihnen Amnestie gewähren (1168), vergaß aber denMeuchelmord seines Vaters nicht und wußte aragonische Truppen indie Stadt zu bringen. Diese Truppen sielen über die Bürger plötzlichher, tödteten die Männer, hängten die am meisten Betheiligten an denGalgen und verschonten nur die Inden, als treue Anhänger seinesVaters, und außer ihnen nur Frauen und Kinder (Februar 1170Z.Der Vicegraf Roger, der die Albigenser begünstigte, hatte auch jüdischeLandvögte, Moses de Cavarite und Nathan. Durch Begünstigungder Ketzer und Juden lud er aber den Zorn der Geistlichkeit und desPapstes auf sich und hatte dadurch ein tragisches Ende. Unter ihmstanden auch die Gemeinden Carcassone, Rasez, Alet und Limoux,denen er einst schriftlich zusicherte, sie nicht mit Steuern zu über-bürden'^).

Eine bedeutende proventzalische Gemeinde war in der blühendenHandelsstadt Montpellier, welche die Hauptstadt des südlichenFrankreich war; sie zählte sehr reiche Gemeindeglieder, deren Wohl-thätigkeit sehr gerühmt wird. Gleich der von Beziers hatten sie Vor-liebe für die Wissenschaft, welche die dort bestehende, medicinischeAkademie und die darin herrschende Lehrfreiheit Wohl gefördert hat.Die Herren dieser Stadt waren aber keineswegs so judenfreundlich,wie ihre Nachbarn von Beziers. Wilhelm VIII. und sein Sohn be-stimmten ausdrücklich in ihrem Testamente, daß kein Jude zum Amteines Landvogtes zugelassen werden sollte (11781201), obwohl derLetztere einem Juden Bonet eine bedeutende Summe Geldes schuldete ^).Wer damals an der Spitze der Gemeinde von Montpellier stand, istnicht bekannt. Eine Berühmtheit ist aus ihrem Schooße nicht hervor-gegangen, obwohl sie gelehrte Talmudkundige in so reicher Fülle besaßt),daß man ihren Rabbinatssitz mit dem Synhedrin des Tempelberges(Ilur) verglich.

Die jetzt winzige Stadt Lünel, unweit Montpellier, wardamals unter den Herren de Gaucelin eine bedeutende Stadt, und die

1) Das. III. 24, vergl. Note 1. IV.

2) Dieselbe Note.

h Vaisette a. a O. 119 und prsuvss 127.

Vergl. Ilsrsru Ollsroeä V. x. 3 unten.