Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

Tie Juden in der Provence.

201

daß vor ik»n die großen Meister, Jbn-G'anach, Mose Jbn-G'ikatillaund Jbn-Esra, gelebt haben ^ mit diesen hält er keinen Vergleich aus.David Kimchi hat überhaupt keinen neuen Gesichtspunkt ausgestellt.In der Einleitung zu seinem grammatischen Werke (Nioläol) ist eraufrichtig genug, zu gestehen, daß er lediglich die mannigfaltigen undweitläufigen Vorarbeiten übersichtlicher machen wollte. Es kann ihmhöchstens zu einigem Verdienste angerechnet werden, daß er in derhebräischen Sprache (nach europäischer Anschauung) den Unterschiedvon langen und kurzen Bocalen aufgefunden und dadurch das Ver-ständniß der Vocalwandlnngen erleichtert und endlich, daß er eineschwache Erinnerung an eine einfache, nüchterne, sinngemäße Exegesegegenüber der ausschweifenden, agadischen, kabbalistischen und after-philosophischen Anslegungsweise im jüdischen Kreise erhalten hat.

Die alte Gemeinde in Beziers, welche Jbn-Esra so ehrenvollausgenommen (o. S. 175), hatte in dieser Zeit noch mehr als Nar-könne eine glückliche Lage unter ihrem Beherrscher, dem VicegrafenRaymond-Trencaval und seinem Sohne Roger. Juden undChristen dieser Stadt huldigten einem freisinnigen Geiste. VieleBürger waren Albigenser und kündigten dem Papst und der katho-lischen Kirche den Gehorsam ans. Dennoch bestand der alte Brauchfort, daß der Bischof am Palmsonntag die Pfarrkinder gegen dieJuden als Gottesmörder hetzte, und daß diese, mit Steinen bewaffnet,die jüdischen Häuser überfielen. Da nun aber die Juden, welche ineinem eignen, von Mauern umgebenen Quartier wohnten, jedesmalvorbereitet waren und sich zur Wehr setzten, so gab es jedes Jahrblutige Köpfe. Die Gemeindevorsteher arbeiteten nun daran, diesendie christliche Religion mehr als das Jndenthnm schändenden Brauchaufzuheben, und gewannen den Vicegrafen dafür. Auch der damaligeBischof Wilhelm, als schämte er sich eines so rohen Aktes, willigteein, ihn nicht mehr wiederholen zu lassen. Am 2. Mai 1160wurde ein Vertrag abgeschlossen, daß jeder Geistliche, der das Volkgegen die Inden aufhetzen würde, mit dem Bann belegt sein sollte.Die Inden verpflichteten sich dafür, jedes Jahr am Palmsonntag vierPfund Silber zu zahlen Z.

Der jndenfrenndliche Vicegraf Raymond Trencaval wurde plötz-lich in der Kirche von mehreren Verschworenen an einem Sonntag(15. October 1167) meuchlings ermordet, aus Rache, weil er denBürgern gegen einen Adligen seines Gefolges nicht volle Genngthuunggegeben hatte. Die Inden Beziers wurden in diese Händel verwickelt,

Quellen bei Vaisstte llistoirs äs QuaZasäoa II. 486.