Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

Die Juden in Spanien.

189

den Vorrang, weil hier das Bewußtsein am meisten gekräftigt war.Juden wohnten in sämmtlichen fünf christlichen Königreichen, die sichauf dieser gesegneten und politisch zersplitterten Halbinsel ausgebildethatten; in Castilien, Leon, Aragonien, Portugal und Navarra. Nurdas südliche Spanien, das mohammedanische Andalusien, sah seit derEroberung durch die unduldsamen Almohaden keine Inden, wenigstenskeine offen auftretenden. Die ehemaligen Sitze der jüdischen Gelehrsam-keit: Cordova, Sevilla, Granada, Lucena waren verödet; an derenStelle war Toledo, Hauptstadt Castiliens und des ganzen Landes,getreten. Die Toledaner Gemeinde wurde seit dieser Zeit tonangebend;sie zählte mehr als 12 000 Gemeindemitglieder *). Wie die Stadtüberhaupt an Prachtgebäuden prangte, so besaß sie auch mehrere groß-artig angelegte Synagogen,mit deren Schönheit sich keine anderevergleichen ließ"^). Es gab unter den toledanischen Juden nichtblos viele wohlhabende und gebildete, sondern auch tapfere Männer,die mit den Waffen umzugehen wußten^). Jüdische Jünglinge ver-legten sich auf die Fechtkunst, um als Ritter aufzutreten ^). UnterAlfonso VIII., genannt der Edle (1166 1214), nahmen begabteInden eine hohe Stellung ein, wurden zum Staatsdienste verwendetund trugen ihrerseits zur Größe des liebgewordenen Vaterlandes bei.Angesehen war an Alfonso's Hof Joseph b. Salomo Jbn-Schoschan (Aljachid Jbn-Omar),der Fürst" genannt (geb. um 1135,gest.5 5). Gelehrt, fromm, reich und wohlthätig, genoß Jbn-

Schoschan die Huld des Königs und war wahrscheinlich in Staats-geschäften thätig.Die Gunst war ihm zugewendet, das Wohlwollenihm zngekehrt von Seiten des Königs und der Großen" °). Mit seinerFreigebigkeit förderte er das Talmudstudium und erbaute in fürstlicherPracht eine neue Synagoge in Toledo. Sein Sohn Salomo kam ihmin vielen Tugenden gleich.

Hochgeehrt am Hofe Alfonso's war auch Abraham Jbn-Alfachar (Ilajorer, geb. um 1160, gest. nach 1223 ^),gekrönt mit

') Nathan Jbn-Jarchi bei Zakuto.

2) Charisi lluotilsrnoni Pforte 46; vergl. Note 1. Anmerkung 1.

°) Dieselbe Note 1. IV.

Jbn-Verga Lolrsdst llslinäs. Nr. 9.

5) Dieselbe Note I. Anmerk. 1.

") Jbn-Schoschan's Epitaphium dieselbe Note.

0 lieber diesen Alfachar vergl. Epitaphien der Toledaner Gemeinde (^.bns2Lks,ron), S. 68 und dazu Rapaport's Bemerkungen in Lsrsni Ollsrasä VII.p. 248; ferner ^IrnuIUrs.ri. bei Gayangos llistor^ ol tlls inolis.rnrnscls.nä^nustiss in 8xuin und dazu Lebrecht's Bemerkungen in Literatur des Aus-landes Jahrg. l84l, Nr. 36, Orient 1841, S. 25V. Das Todesjahr ergiebt