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Geschichte der Juden.
Darauf beriethen sie sich mit den ihnen befreundeten Christen, unddiese meinten, daß 100 Pfund baar und 180 Pfund ausstehendeSchulden -—- vielleicht der ganze Reichthum der kleinen Gemeinde —wohl genügen dürften. Da mischte sich ein Geistlicher in den Proceßund redete dem Grafen zu Gemüthe, die Sache nicht leicht zu nehmen,sondern die Juden streng zu bestrafen, falls die Anklage gegen siebegründet erscheine. Aber wie sollte man hinter die Wahrheit kommen,da die ganze Anklage nur auf der Aussage des Reiterknechtes beruhte,der höchstens das Werfen eines Körpers in's Wasser gesehen habenkonnte? Das Mittelalter wußte Auskunft für solche Zweifelfälle.Es wendete die Wasserprobe an. Der Knecht wurde in einem mitWasser gefüllten Kahn in den Fluß gebracht, und da er nicht untcr-ging, so war der Graf und die ganze christliche Bevölkerung festüberzeugt, daß dessen Aussage auf Wahrheit beruhe. Graf Theobaldgab den Befehl, sämmtliche Juden der Gemeinde Blois mit dem Feuer-tode zu bestrafen. Als sie in einen Holzthurm gebracht und ringsumScheiterhaufen angezündet werden sollten, forderte der Geistliche sieauf, sich znm Christenthnme zu bekennen, dann würden sie am Lebenbleiben. Da sie aber standhaft im Glauben blieben, wurden sie zuerstgemartert und dann zum Scheiterhaufen geschleppt. Zuerst kamen dreian die Reihe, zwei Jünger der Lehrer von Ramerü, Jechiel b.David und Jekutiel b. Juda, beide Aarouidcn, sammt Juda b.Aaron. Sie wurden mitten im Scheiterhaufen an eine Säule ge-bunden; das Feuer soll aber nur ihre Bande gelöst haben, so daß sieunversehrt den Scheiterhaufen verlassen konnten. Darauf wurden sievon den Henkersknechten zum zweiten und dritten Male hineingestoßen.Zuletzt packten sie einen Henkersknecht und zogen ihn mit hinein, unddie umstehenden Christen hatten Mühe, ihn aus ihren starken Fäustenzu befreien. Diese drei und die übrigen ein und dreißig Männerund siebzehn Frauen starben im Feuer unter Absingen des Gebetes,welches das Bekenntniß des einzigen Gottes znm Inhalt hat (Llenu;Mittwoch 20. Sivan — 26. Mai 1171). Auch Pulcelina erlitt denTod bei dieser Gelegenheit. Nur wenige Juden gingen damals ausTodesfurcht zum Christenthume über. Die Christen aber, auf dieWasserprobe bauend, waren fest überzeugt, die Juden hätten mit Rechtden Feuertod verdient, und die Chronik berichtet in trockenem Styl:Theobald Graf von Chartres ließ mehrere Juden von Blois ver-brennen, weil sie zu ihrer Passahfeier einen christlichen Knaben ge-kreuzigt und dann in einem Sack in die Loire geworfen Z. Graf
st Die Hauptqnellen über die Verfolgung von Blois finden sich in Ephraimb. Jakob's Manprologium (in der deutschen Uebersetzung des Druslr km-