Verfolgung von Blois.
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katholischen Kirchenfürsten gegen das Volk, sondern im Sinne desVolkes nnd zum Besten der Gemeinden. Daher brauchten ihre Be-schlüsse nicht wie die der Concilien öfters erneuert zu werden.
In hohem Alter erlebte R. Tam eine blutige Judenverfolgungin seiner Nähe, in Blois, die nicht blos denkwürdig ist wegen derGrausamkeit, mit der die Märtyrer behandelt wurden, sondern auchwegen der damals zuerst auflodernden, lügenhaften Behauptung, daßdie Juden an Ostern Christenblut brauchten. Eine niedrige Jntriguewar es, die den Scheiterhaufen für Unschuldige anzündete.
In Blois, wo ungefähr vierzig Juden wohnten, ritt ein Judein der Dunkclstunde zur Loire, um sein Pferd zu baden, und trafmit einem christlichen Reiterskuecht zusammen, dessen Pferd beimAnblick eines weißen Vließes, das der Jude unter dem Oberkleidetrug, scheu wurde, sich bäumte und nicht zum Wasser gebracht werdenkonnte. Der Knecht, der den judenfeindlichen Charakter seines Herrn,des Stadthauptmanues, kannte, brachte diesem ein Märchen als Stoffzu einer Anklage zu. Er behauptete, gesehen zu haben, wie derjüdische Reiter einen gemordeten Christenknaben in's Wasser geworfenhabe; er selbst sei aus Furcht, ermordet zu werden, dem Inden aus-gewichen, und auch das Pferd habe aus Instinkt das Wasser nichtberühren mögen. Der Hauptmaun, welcher eine bei seinem Herrn,dem Grafen von Chartres, viel vermögende jüdische Frau Pnlcclinahaßte, nahm die Gelegenheit wahr, Rache an seiner Feindin zu nehmen.Er wiederholte dem Grafen Theobald, dem Blois gehörte, die Lügevon der Ermordung eines Knaben, und die Anklage wurde hieraufformulirt: Die Juden hätten ihn zur Passahfeier gekreuzigt und dannin die Loire geworfen. Der Graf Theobald gab hierauf Befehl,sämmtliche Juden gefesselt in den Kerker zu werfen. Frei blieb nurPulcelina, zu welcher Theobald eine besondere Zuneigung hatte. ImVertrauen darauf hatte sie ihre leidenden Religionsgenoffen beruhigt,daß sie den Grafen zu ihren Gunsten umstiinmen und ihnen Hülfebringen werde. Bald aber erfuhren die eiugekerkerteu Juden, daßauf menschliche Hilfe nicht zu bauen ist.
Pulcelina hatte nämlich eben wegen der Zuneigung des Grafenzu ihr eine erbitterte Feindin an dessen Frau, der Gräfin Jsabella (?).Diese arbeitete zum Verderben der Juden. Sie ließ Pulcelina über-wachen, um ihr keinen Zutritt zum Grafen zu gestatten, weil sie derenEinfluß auf ihn fürchtete. Noch einen Hoffnungsstrahl hatten dieJuden in der Habsucht des Grafen. Er hatte nämlich einen Judenvon Chartres an sie abgeordnet und sie fragen lassen, welche Summesie ihm für die Entbindung von der Blutanklagc bieten würden.