Jbn-Esra's Exegese.
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recht, ob es ihm mit der Skepsis oder mit der Gläubigkeit Ernst war.— In Lucca verfaßte Jbn-Esra auch seinen lichtvollen Commentarzu Jesaia (1154—55), worin er seinen Zweifel, ob die letzten drei-undzwanzig Capitel von diesem Propheten stammen oder von einemspäteren herrühren, andeutete. Hier verfaßte er auch zwei grammatischeSchriften, eine selbständige <8. cksaock) und eine Widerlegung der An-griffe des Dunasch b. Labrat auf Saadia (B. V.g S. 339), dessen halb,verstümmeltes, polemisches Werk ihm in Egypten in die Hand gefallenwar (8epdat stotsr). Diese Schrift arbeitete er für einen seinerJünger, Chajim, aus. Wenn seine Zuhörer auch viel von ihm lernten,Gerechtigkeit und Gewissenhaftigkeit in der Behandlung wissenschaft-licher Fragen hat er sie nicht gelehrt. Gerade in der Polemik gegenDnnasch zeigte sich Jbn-Esra in hohem Grade ungerecht. Mit vielerBitterkeit tadelt er Manches an Dnnasch, was er selbst sich angeeignetund in seine Commentarien verwebt hat, und wiederum rechtfertigter hartnäckig Manches von Saadia, was er anderweitig verworfen hat.
Nach Vollendung des Pentatenchcommcntars (1155) verließ Jbn-Esra Italien und begab sich nach einem neuen Schauplätze, nach Süd-Frankreich, welches wegen seines Zusammenhanges mit Catalonien mehrTheil an der spanisch-jüdischen Cultur hatte, als Nordfrankreich, Italienund Deutschland. Die Provence bildet in der jüdischen Geschichte dieGrenzscheide zweier Richtungen, der streng talmudischen und der wisseus-und kunstliebenden. Die jüdischen Provencalen nahmen an beidenRichtungen aufrichtigen Antheil, brachten es aber in beiden nicht zurMeisterschaft, sondern blieben stets Bewunderer und Nachahmer. Jbn-Esra brachte in diesen Kreis ein neues, anregendes Element. Er ließsich zuerst in der alten Gemeinde Beziers (Bedares) nieder, die vieleGelehrte in ihrer Mitte zählte. Sie behandelten den Weltwanderermit großer Auszeichnung, Fromme und Gebildete ohne Unterschied.Isaak b. Jehuda, „Fürst der Juden" genannt, und Abraham b.Chajim, beide ausgezeichnet alsfrommeTalmudisten, erwiesen ihm so vielAufmerksamkeit, daß er ihnen zu Ehren ein mathematisch-kabbalistischesWerk über die Gottesnameu verfaßte. Es enthält eine geistreicheSpielerei mit Buchstaben und Zahlen, die, in verschiedenen Werthencombinirt, die gehcimnißvollen Eigenschaften der Gottheit bezeichnensollen. Diese von Jbn-Esra zuerst eingeführte Buchstaben- undZahlencombination brachte die Zahlenkabbala zur Mode und nährteeinen praktischen Wahnglaubeu, der viel Unheil gestiftet hat. — Indemselben Jahre siedelte er nach der Stadt Rhodez über, Ivo es ihmso gut gefallen haben muß, daß er mehrere Jahre daselbst weilte(1155 — 57). Hier commeutirte er das Buch Daniel, den Psalter