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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

und die zwölf Propheten. Sein Ruf drang indeß weithin und erwarbihm Bewunderer. Die größte rabbinische Autorität jener Zeit, R. JacobTam, sandte ihm Huldigungsverse in metrischer Form zn, worüberJbn-Esra so sehr verwundert war, daß er ihm darauf ein halbschmeichelndes, halb verletzendes Epigramm entgegnete:

Wer führte die Franzosen in des Liedes Tempel?

Darf ein Uneingeweihter ihn betreten?

Ist auch Jakob's Lied süß wie Manna,

So bin ich die Sonne, die es in Nichts auflöst."

Ein andermal schrieb ihm R. Tam ein so höfliches, demüthigesGedicht zu, daß Jbn-Esra, davon ergriffen, in ähnlichem Toneerwiderte: '

Gebührt's einem Volksführer sein Haupt vor einem Niedrigen zu beugen? >

Unwürdig ist's, wenn ein Engel Gottes vor einem Unwürdigen sich demüthigt"st. j

Seine Wanderlust führte ihn noch im siebzigsten Lebensjahre !

nach dem nebelreichen London, wo er einen freigebigen Mäcen fand,der ihn mit Liebe umgab. Hier verfaßte er eine Art Religions-philosophie 2). Sie trägt aber so sehr das Gepräge äußerster Zer-fahrenheit und Flüchtigkeit, daß mau außer Stande ist, seinem Ge- k

dankengang zu folgen. Im Ganzen hat Jbn-Esra darin, wie in derPhilosophie überhaupt, wenig geleistet. Die neuplatonische Weisheit: ^

daß Gott eine einheitliche Substanz ist, die nicht in unmittelbaremZusammenhänge mit der Welt stehe, sondern durch Vermittelung eines ^Urgeistes wirke, daß die göttliche Vorsehung sich nur über dieGattungen und nicht über die Einzelwesen erstrecke, daß die Seele vom §

Urgeiste stamme, im Leibe wie in einem Kerker lebe und sich nachihrer himmlischen Heimath sehne, diese billige Weisheit hat Jbn-Esrabald in klarer, bald in mystischer Fassung, oft in Zahlenspielerei aus-gedrückt, in seine Schriften eingestreut, ohne die ihn bewegenden, philo-sophischen Gedanken zu einem Ganzen zu verbinden. Offenbarung,Judenthum, Prophetie, diese Vorgänge nahm er als gegebene That-sachen hin, ohne je anzudeuten, wie er sie sich mit seinem Gottesbegriffübereinstimmend dachte. Nur andeutungsweise bemerkte er, daß dieProphezeihuug ein traumhafter Vorgang sei, und daß der Propheten-beruf durch innerliche Anlage oder durch Uebuug erlangt werden könne.

Der Prophet Jona sei keineswegs vor Gott geflohen, denn das !wäre thöricht gewesen, der Allgegenwart Gottes entgehen zu wollen sondern er habe den prophetischen Drang innerlich bekämpft^).

st Gavison Omer Iis.-8(:biollbalis., wiedergegeben lLsisra Obsmsck VIl. 35.st llssocl Nora; vergl. Note 8.st Im Commentar zu Jona Anfang.