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Geschichte der Juden.
gestanden, gelobte er, sich mit der Erklärung der Thora zu beschäftigen,an die er wegen ihrer großen Schwierigkeit nur zaghaft ging. Erstand damals schon im Alter von vierundsechzig Jahren (1152—53).
Aber dem Werke sieht man das herannahende Greisenalter nicht an, !es trägt vielmehr das Gepräge der Frische und Jugendlichkeit. Jbn-Esra's pentateuchische Erklärung ist eine Art Kunstwerk nach Inhaltund Form. Die Sprache ist lebendig, fließend, witzig, die Auslegungtief eindringend, nüchtern und überhaupt mit vieler Hingebung ge-arbeitet. Sein reiches Wissen, seine Belesenheit und Erfahrung hattenihn befähigt, das Buch der Bücher dem Verständnisse näher zu bringenund den Nebelschleier zu zerreißen, den das Halbwissen und das Vor-urtheil darüber gedeckt hatten.
In der Einleitung charakterisirt er sehr treffend und geistvolldie vier üblichen unangemessenen Erklärungsweisen, die er vermeidenwollte. Die philosophisch gebildeten Erklärer aus der gaonäischen !Zeit, Saadia, Samuel b. Chofni und Isaak Israeli, haben in ihreCommentarien fremde Materialien hineingezogen und sie daher weit-schweifig und ungenießbar gemacht. Die Karäer haben, um die Tra- (dition entbehren zu können, zu Deuteleien und Schwankungen greifen ^müssen; die Mystiker haben in jedem Wort höhere Bezüge gesucht,und die agadischen Erklärer haben dem Wortsinn Hohn gesprochen.
So erhebt er sich siegesgewiß über seine Vorgänger und erfüllt dieAufgabe, die er sich gestellt, den schlichten Sinn des Textes durch-sichtig zu machen. Jbn-Esra war mit seinem Pentateuch-Commentarder Fahnenträger einer nüchternen, lichtvollen, wissenschaftlichen Auf-fassung der Bibel und bildet den Führer einer Minderzahl von er-leuchteten Geistern, die sich gegen die Verdunkelung agadischer Aus-legung stemmten, als deren Träger Raschi galt. Denn obwohl er sichMühe gab, die talmudische Tradition durch seine Exegese zu stützen,und die karäische selbständige Auslegungsweise durch schlagenden Witzwiderlegte, und obwohl er jede freie, von der Massora abweichendeAuffassung verketzerte, so klammerte sich doch die Aufklärung an ihn,als ihre Autorität und der Unglaube selbst berief sich auf ihn, als ;auf seinen Gewährsmann st. In der That gab Jbn-Esra Veranlassunggenug dazu, ihn zu den Chivi Albalchi, den Jizchaki und Andern zuzählen, welche die Autorität des Pentateuch's in Frage stellten. Indunkeln, rätselhaften Wendungen gab er zu verstehen, daß mancheVerse in der Thora von späterer Hand hinzugefügt seien oder gardas Ganze erst ans späterer Zeit stamme"). Nur weiß man nicht
st Vergl. Spinoza Nraotatms tlisoloZieo-xolitious e. 8.st Vergl den Commentar zu Deuteronomium Ans. und die sonderbareApologetik des Joseph Tob-Elem Sephardi in LlopluautN Uaausuoli dazu.
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