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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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War es der Zweifel, der seine Brust durchwühlte, oder Charakter-schwäche, die sich scheute, der Menge in ihrem Wahne eutgegeuzutreteu?Unwiderleglich ist es, daß Jbn-Esra öfter die Wahrheit verleugnetoder sie derart verhüllt hat, daß sie nur dem Gleichgesinnten erkenn-bar sein sollte. Der Erläuterung des hohen Liedes schickte er einekurze Einleitung voran, worin er die Ansicht lächerlich macht, als seiin dieser großartigen Knnstschöpfnng die Mystik über das Verhaltender Welt zu Gott und das der Seele zu dem irdischen Leibe allegorischangedeutet. Nach seiner Ansicht tönt durch das Ganze die Sehnsuchtder Liebe durch, aber er deutete es auch nach Ansicht der Alten alsdas Verhältnis^ Jsrael's zu Gott in der gluthvollen Sprache einestreuen Liebesbnndes.

So groß aber auch Jbn-Esra's exegetisches Talent war, reichtees doch nicht ans, um dunkle biblische Schriften im Zusammenhangals ein organisches Ganzes, als ein schön gegliedertes Kunstwerk zubegreifen und zu dnrchdringen. Sein Sinn war vielmehr nur ansEinzelnes, Losgetrenntes gerichtet, wie denn überhaupt sein unruhigerGeist nie bei der Sache verblieb, sondern immer auf andere Gegen-stände, die nur lose damit verbunden sind, abzuschweifen Pflegte.Das philosophische Buch Kohelet, dessen Zusammenhang, Gliederungund geschichtlicher Hintergrund noch heutigen Tages sich der Er-forschung entzieht, war für Jbn-Esra ein versiegeltes Buch, das auf-zuhellen er nicht im Stande war. Die dürftige Philosophie der neu-platonischen Schule, der er huldigte und die er zur Erklärung heranzog,zeigte sich zum Verständniß dieses einem andern Lebenskreise ent-stammten Buches Kohelet unzulänglich. Nicht besser ging's ihm mitder Erklärung des großartigen philosophischen Dramas Hiob, das erebenfalls während seiner Anwesenheit in Rom commentirte. Denrömischen Inden brachte Jbn-Esra auch zuerst einen Begriff von dergrammatischen Kenntniß der hebräischen Sprache bei, deren sie voll-ständig bar waren. Er übersetzte Chajng's grammatische Werke ausdem Arabischen in's Hebräische und legte ein selbständiges Werk unterdem Titeldie Waage" siVlorniaim) an, an dem jedoch nur die schönstylisirte, geschichtliche Einleitung über die Leistungen der Vorgängerauf dem Gebiete der hebräischen Sprachkunde von Saadia bis Jbn-M-Tabb6n interessant ist. Denn so sehr auch Jbn-Esra jeden Schrittan der Hand der Grammatik geht, so hat er doch wenig zum Ver-ständniß des eigentlichen Baues der heiligen Sprache beigetragen; erbenutzte meistens nur die Forschungen der großen Vorgänger, derenResultate er kritisch gegeneinander abwog, um sich bald für das Eine,