Abr. Jbn-Esra.
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Zusammenhang zu bringen. Denn sein unruhiger, flüchtiger Geist warnicht dazu geeignet, etwas Ganzes und Systematisches zu schaffen.In die hebräische Sprachkunde selbst vermochte er nicht Methode zubringen und den Stoff übersichtlich zu ordnen. In der biblischenExegese dagegen war er durchaus originell, erhob sie zu einer Wissen-schaft mit bestimmten Grundsätzen, so daß er eine lange Zeit alsAlleinherrscher auf diesem Gebiete stand. Auffallend ist es, daß ersich in seiner Heimath nicht angeregt fühlte, das Feld der Schrift-erklärung anzubauen, obwohl er die bedeutendsten Anlagen dazu hatte.So lange er in Spanien weilte, galt er nur als ein tüchtiger Mathe-matiker und Astronom, keineswegs als Exeget. Er hatte überhauptauf heimathlichem Boden kein literarisches Erzengniß ans Licht gesetzt,höchstens hebräische Gedichte religiösen und satirischen Inhalts. DasEinzige, was von ihm aus der Zeit seines Verweilens im Geburts-lande bekannt geworden, ist seine Antwort auf eine astronomische An-frage an David aus Narbonne (um 1138'). Im fünfzigsten Lebens-jahr hatte der, den die späteren Geschlechter als einen hervorragendenGeist anstaunen sollten, in seiner Heimath noch keinen Namen undüberhaupt die Aufmerksamkeit noch nicht auf sich gezogen. Die Fremdesollte erst die Keime seines Geistes zur Befruchtung treiben.
Drückende Lebensverhältniffe in dem durch beständige Kriegeverarmten Toledo bewogen Jbn-Esra auszuwandern. Er soll über-haupt immer mittellos gewesen sein^). In seiner epigrammatischenWeise machte er sich selbst über sein Mißgeschick, das ihn zum Noth-leiden verdammte, lustig: „Ich bemühe mich, reich zu werden, aberdie Sterne sind mir feindlich. Machte ich mit Leichentüchern Geschäfte,würde Niemand sterben, hätte ich Kerzen als Waare, so würde dieSonne bis zur meiner Todesstunde nicht nntergehen" ^). Da er inder Heimath keine Unterstützung fand, so verließ er sie und ging aufReisen (um 1138—39>. Sein Sohn Isaak, bereits erwachsen, warsein Begleiter. Er sah Afrika, Egypten, Palästina, verkehrte inLiberias mit den Weisen, die sich des Besitzes sorgfältig abgeschriebenerThora-Exemplare rühmten. Nirgends Ruhe findend, reiste er weiternach Babylonien, war auch in Bagdad, wo wieder ein Exilsfürst mitBewilligung des Chalifen eine gewisse Oberherrlichkeit über sämmtlicheorientalische Gemeinden inne hatte. Auf diesen weiten Reisen beob-achtete Jbn-Esra viel und scharf und bereicherte seinen Geist. Er soll
') Vergl. Note 8.
Profiat Duran, mitgetheilt von Dukes, Orient. Litbl 1843, ool. 657.Note 1 u. a. a. O.
") Das. Dllsssr lDunsnsls, Oibrs Ollnoliurniiri., x. 85.