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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

Ihre verschiedene Anschauungsweise charakterisirt Jbn-Esra selbstdurch ein niedliches Epigramm. Jehuda's Schatten fordert ihn auf,ihm ins Jenseits zu folgen:

Süß i,l mein Schlummer mir, doch regt mich, Freund,

Die Liebe an. Dir nochmals zu erscheinen.

Des Himmels Schaaren wohlgefällt dein Lied.

Darum wolle doch mit ihnen Dich vereinen!

So laß uns zusammen singen dort.

Wozu den Körper pflegen, den unreinen?"

Jbn-Esra antwortet auf die Aufforderung des Schattens:

Geh' wieder ein zur Ruh, mein Juda! GottWill mich noch nicht versammeln zu den Seinen.

Noch soll ich Kinder zeugen, ird'sche Speis'

Genießen, nicht himmlisch Manna von dem Deinen.

Bekümmert sehr ob Deinem Tod kann dochIch Deinen Rath nicht machen zu dem meinen'").

Jbn-Esra, der die mannigfachen Kunstformen der arabischenund neuhebräischen Poesieregel zu handhaben verstand, war darumdoch kein Dichter. Seine poetischen Erzeugnisse sind künstlich, gelehrt,trocken, gemüthlos. Auch seine liturgischen Poesien, die er in jedemLebensalter anbaute, tragen dasselbe Gepräge nüchterner Betrachtung.Es sind in Versen ausgesprochene Gedanken, Lehren der Weisheitoder rügende Ermahnungen, nicht der Erguß der im Gemüthe wogendenFülle religiöser Empfindungen, die in inbrünstigen Gebeten hervorbricht.Das schwungvolle Aufjauchzen eines mächtig ergriffenen Innern inbegeistertem Hymnus, die erhabene Majestät einer nach dem Höchstenringenden und darum auch das Höchste erreichenden Poesie, wie sieJbn-G'ebirol und Jehuda Halevi offenbarten, vermißt man in derreligiösen Poesie Jbn-Esra'sNur wo es auf Witz und zugespitzteEpigramme ankam, in Räthseln und Stachelgedichten war er unüber-trefflich. Sein Prosaischer Styl ist ebenfalls musterhaft, und mankann sogar behaupten, daß er ihn geschaffen hat. Er hält sich fernvon Ueberladung und Wortgeklingel.

Wenn Jbn-Esra in der Poesie keine hohe Stufe einnimmt, sobehauptet er den ersten Rang als gründlicher und taktvoller Erklärerder heiligen Schrift, die er stets an der Hand richtigen grammatischenVerständnisses behandelte. Er war zum Exegeten wie geschaffen. Anden Versen der heiligen Schrift konnte er seine mannigfachen Kennt-nisse und Gedanken anbringen, ohne genöthigt zu sein, sie in logischen

-) Das 15V.

2 ) M. Sachs, religiöse Poesie der Juden Spaniens 312 ff.