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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Jbn-Daud's Geschichtswerk.

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Tempels, wobei er sich von dem Machwerke des Fälschers Josippon(B. V .2 S. 319) leiten ließ.

Noch viel kenntnißreicher, umfassender und tiefer war Abrahamb. Mei'r Jbn-Esra aus Toledo sgeb. 1088 89, st. 1167 ^), einMann von merkwürdigen Geistesgaben, der das Größte wie dasKleinste in der Wissenschaft mit gleicher Virtuosität umspannte, lebendig,geistreich, voll sprudelnden Witzes, aber ohne Gemüthswärme. SeineBelesenheit in allen Zweigen der göttlichen und menschlichen Wissen-schaften war erstaunlich; auch in der Literatur der Karäer war erheimisch. Er war aber keine abgerundete, in sich gefestigte Persönlich-keit, sondern zerfahren, widerspruchsvoll, mit einer großen Dosis vonLeichtsinn begabt; bald bekämpfte er das Karäerthum, bald machte erihm Zugeständnisse. Seine Polemik ist schonungslos, und cs kam ihmweniger auf Ermittelung der Wahrheit, als darauf an, dem Gegneretwas zu versetzen. Er war ein Geist der Verneinung und bildetden vollsten Gegensatz zu Jehuda Halevi, mit dem er nahe verwandtgewesen sein soll. Jbn-Esra (so wird er schlechthin genannt) ver-einigte in sich unausgeglichene Gegensätze. Sein Heller Blick, seinscharfer, zersetzender Verstand, seine kühne Forschung, welche so weitging, daß er hart au den Pantheismus anstreifte, vertrugen sich mitstrengem Autoritätsglauben, der wiederum ber ihni in so herbenFanatismus ausartete, daß er die freien Forscher verketzerte. Seinnüchterner Sinn, der jeder Erscheinung auf den Grund sah, hinderteihn nicht, eine Geheimlehre aufzustellen, welche die Dinge in Halb-dunkel hüllt. Voller Vertrauen auf Gott, dem er ruhig sein Geschickanvertraute, gab er sich dennoch dem Glauben an die Einwirkung derGestirne auf das menschliche Leben hin, denen sich nach seiner AnsichtNiemand entziehen könne. So war Jbn-Esra zugleich unerbittlicherKritiker und Buchstabenknecht, Vernünftler und Mystiker, innig re-ligiös und Astrolog. Diese Gegensätze waren nicht etwa auf dieverschiedenen Lebensstufen vertheilt, sondern beherrschten sein ganzesLeben. Seine Jugend- und Bildungsgeschichte ist in Dunkel gehüllt,man weiß nicht einmal, ob er zu der Familie der Jbn-Esra ausGranada gehörte. In seiner Jugend tändelte er mit der Muse, sangLoblieder auf hochstehende Personen und schmauste mit Mose Jbn-Esra Mit Jehuda Halevi hatte er ebenfalls Bekanntschaft; sieunterhielten sich öfter mit. Scharfsinn über philosophische Probleme,und es zeigt sich dabei, daß ihre Denkweise weit auseinander ging ^).

9 Vergl. Note 8.

2) 6liuss Oxtorä XIV, Note 1.

Vergl. Geiger, Divan 149 f.