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Geschichte der Juden.
daß die sittliche Vortrefflichkeit und tbeoretische Vertiefung sie immermehr veredelt. Eine solche Seele, die durch prophetische Träumegewissermaßen Uebung im Schauen erlangt hat, könne sich nach undnach zu höherer Stufe erheben. Aber es gehören außer den Anlagenund der sittlichen Lauterkeit noch einige Vorbedingungen dazu. Wederjede Zeit, noch jedes klimatische Verhältniß, noch jede Volksumgebungseien dazu geeignet. Die geeignete Zeit lasse sich nicht bestimmen;man wisse nur so viel, daß selbst die für Prophetie empfänglichenPersonen derselben nicht gewürdigt worden seien, weil die Zeitlagenicht damit im Einklang gewesen. Die geeignetste Sphäre fürprophetische Offenbarungen sei das heilige Land; das Volk, aus demwahre Propheten erweckt worden sind, und zwar nicht der Eine undder Andere, sondern in großer Zahl, sei erfahrungsmäßig dasisraelitische ^).
Den höchsten Grad prophetischer Klarheit hätte Mose erlangt,und zwar weil er die beiden Grundtugenden, Gerechtigkeit undDemuth, in einer sonst nie erreichten Vollkommenheit besaßt). DieseThatsache beruhe zwar nur auf geschichtlicher Ueberlieferung, aber ihrwohne eine eben so große Gewißheit inne, wie der logisch-richtigenFolgerung. Wollte man die geschichtliche Ueberlieferung überhauptleuguen, so müßte jeder Mensch, indem er das von den VorgängernErfahrene und Erkannte verwürfe, jedesmal von neuem anfangen.Die Glaubwürdigkeit von Mose's Sendung liege aber darin, daß sie600,000 Menschen zu gleicher Zeit wahrgenommen und unbezweifelterfahren haben. Wollte man dieses leugnen, so müßte man sagen,daß der Verfasser der Thora selbst sich etwas erdacht habe, was desgeschichtlichen Bodens vollkommen bar gewesen^).
Das Ziel aller philosophischen Theorie sei die praktische Ver-wirklichung der sittlichen Zwecke; solche Zwecke stelle das Judenthumauf. Diesen richtigen Kerngedanken hat keiner seiner Vorgänger soscharf und klar ausgesprochen^), wie Abraham Jbn-Daud. DieSittlichkeit erzielt gewisse Tugenden, ein gesundes Familienleben undeine gute, auf dieser Tugend beruhende Staatsverfassung. Demnachlassen sich sämmtliche religiöse Pflichten des Judenthums in fünfKlassen zusammeufassen °). Eine Klasse schärft wahrhafte Gottes-erkenntniß, geläuterten Glauben an einen Gott und Liebe zu demselbenein. Diese finde ihre stete Verwirklichung in gewissen religiösen
st 12raruis.ll Rairmli S. 70 ff.st Das. 75 oben. st Das. 60 ff.st Das. 4; 98. st Das. 102.