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Geschichte der Juden.
geordnete Stellung anwies, hat selbst in Toledo so wenig die Geisterbeherrscht, daß Jbn-Dand zwei Jahrzehnte später das Uebergewichtder Philosophie anerkannt und neuerdings eine Ausgleichung zwischenihr und dem Judenthnm versucht hat.
Um die Zweifel eines Jüngers zu zerstreuen, verfaßte Jbn-Dand,„dessen Inneres Ruhe gefunden", ein religionsphilosophisches Werk^)unter dem Titel „der höchste Glaube" für Solche, welche vongleichen Zweifeln bewegt sind. In der Einleitung bemerkt der be-scheidene Verfasser: er habe das Werk weder für reife, von der Philo-sophie durchdrungene Männer verfaßt, noch für schlichte Fromme,welche von dem Zwiespalt zwischen dem Glauben und dem Denkenkeine Ahnung haben, sondern nur für solche Denker, die sich zwischenden beiden Herren, „von denen der eine groß, der andere nicht kleinist" 2), nicht zurecht finden können. In der Darlegung seines religions-philosophischen Systems zeigt sich Jbn-Dand vollständig von der Zeit-philosophie beherrscht. Aristoteles, der über die denkenden Köpfe inder Synagoge, Kirche und Moschee eine unumschränkte Herrschaft hatte,galt auch für den Philosophen von Toledo als unumstößliche Autorität.Auch Jbn-Dand knüpfte an die aristotelische Weltanschauung an undwollte nur Nachweisen, daß die heilige Schrift dieselben philosophischenGedanken über die Stufenreihe der niedern und höheren Welt, wennauch verhüllt, enthalte; hin und wieder giebt er zu verstehen, gleichden alexandrinisch-jüdischen und christlichen Denkern, daß die Philo-sophie der Griechen dem Judenthnme entlehnt sei ^). Mit Aristotelesnimmt er an, daß der Himmel und die Sternensphäre beseelte, körper-liche, aber doch unveränderliche Wesen seien; über ihnen befinde sicheine Geisterwelt, eine Urvernunft, von der die Anregung zum Denkenim menschlichen, sich empfänglich dazu verhaltenden Geiste ausgehe.Die Urvernunft oder der thätige Geist heiße im jüdischen Kreise „derheilige Geist" 4). Gleich den arabischen Philosophen findet er in dieserGeisterwelt die Engelschar wieder, die Gott als seine Boten an dieWelt braucht. Es sind Mittelwesen zwischen Gott und der niedernWelt (Lelienijim). Vermöge dieser Mittelwesen wirke die Gottheitans die Welt, die an sich als eine unveränderliche Einheit sich mitWirkung und Veränderung nicht selbst befassen könne. So sehr unter-liegt der fromme Abrahani Jbn-Dand der Zeitphilosophie, daß er inder Annahme schwankt, ob die niedere Welt von Gott selbst oder von
*) Folgt aus S. 63; 78. Der arabische Titel lautet '^.Iriäa Naüa'.2) Das. S. 82.
2) Das. 63. Das. 70, unten.