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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

Im Ganzen hat der Fanatismus des zweiten Kreuzznges wenigerOpfer verschlungen als der erste, theils weil die weltlichen und geist-lichen Fürsten sich angelegen sein ließen, die Juden zu schützen, undtheils, weil die Theilnahme des deutschen Kaisers und des Königsvon Frankreich kein kreuzzüglerisches Raubgesindel wie das von Wilhelmdem Zimmermann und Emicho von Leiningen aufkommen ließ. Aberdie Inden mußten für den ihnen gewährten Schutz einen hohen Preiszahlen, ja die ganze Zukunft dafür einsetzen. Der deutsche Kaiserwurde seit der Zeit von den Juden als ihr Schirmherr betrachtet,und er selbst sah sich als solcher an und beanspruchte dafür Gegen-leistung. Die deutschen Juden, die früher ebenso frei waren wie dieGermanen und Römer, wurden dadurch die Kammerkuechte (sorvivamsrae) des römisch-deutschen Reiches. Dieser gehässige Name be-deutete Anfangs zwar nur, daß die Juden unverletzbar seien, wie diekaiserlichen Diener und daß sie an Kaiser und Reich für den ge-währten Schutz ordentliche Abgaben, Schutzgeld und außerordentlicheLeistungen zahlen müssen. Aber nach und nach wurde das Wort inseiner ursprünglichen, gehässigen Bedeutung gebraucht und die Judenbeinah als Leibeigene und unselbständige Hörige betrachtet. Diedeutschen Juden, welche sich eben aus der Unkultur aufraffen wolltenwurden dadurch in bodenlose Niedrigkeit zurückgeworfen, aus der siesich erst nach sechs Jahrhunderten ein wenig zu erheben vermochten.Ihre Geisteserzeugnisse tragen daher den Stempel der Verkümmerung,ihre Dichtungen waren nichts als Klagelieder, geschmacklos und bar-barisch wie ihre Sprache, und selbst ans dem Gebiete des Talmudshaben sie nur selten Außerordentliches geleistet. Die deutschen Judenbildeten die Parias in der Geschichte bis zu Ende des achtzehntenJahrhunderts. In Frankreich dagegen, wo andere politische undsociale Verhältnisse herrschten, konnte die jüdische Cultur noch einigeBlüthen treiben.

Während die Juden Frankreichs und Deutschlands noch unterdem Schrecken der kreuzzüglerischen Banden standen, traf die Judendes nördlichen Afrika's eine Verfolgung, die länger anhielt und andereWirkungen hervorbrachte. Sie ging von einem Manne aus, der, theilsPhilosoph, theils Reformator und theils Eroberer, eine eigene politisch-religiöse Schwärmerei erzeugte. Abdallah Jbn-Tumart ans dem nord-westlichen Afrika war in Bagdad von dem mystischen PhilosophenAlghazali zu einem sittenstrengen Schwärmer fanatisirt worden. NachAfrika zurückgekehrt, predigte er den einfältigen Berberstämmen Ein-fachheit in Lebensweise und Kleidung, Haß gegen Dichtkunst, Musikund Künste überhaupt und Krieg gegen die almoravidischen Könige,