Der zweite Kreuzzug.
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Tod aufbewahrt bleiben. Sie sind abhängig, elend, seufzend, furcht-sam und flüchtig und sollen es bleiben, bis sie sich zu ihrem Heilebekehren. Nicht tödten sollst Du sie, sondern sie auf eine ihrer Nieder-trächtigkeit angemessene Weise bestrafen." Und nun zählt der Abt vonClügny die Verbrechen der Juden auf, daß sie Heiligthümer, die derKirche entwendet wurden, kauften. „Diese Gefäße werden nicht etwa, wieeinst die Tempelgeräthe bei den Chaldäern, einfach gefangen gehalten,sondern sie erfahren allerlei Schmach. Christus selbst fühlt dieSchmähung, die dem geweihten Kelche und dem Kreuze von den Judenangethan wird. Dabei schützt sie das Gesetz, daß sie die Gefäße nichteinmal znrückzuerstatten brauchen, während eine solche Handlung füreinen Christen die größte Strafe nach sich ziehen würde." Zuletztfordert der fromme Mann den König auf, den Juden ihre erworbenenGüter ganz oder theilweise zu nehmen; denn das christliche Heer,welches zum Kriege gegen die Saracenen seine eigne Habe und Län-dereien nicht schont, hat die unredlich gewonnenen Schätze der Judennicht zu schonen. Man lasse ihnen das nackte Leben, nehme ihnenaber ihr Geld, damit die Keckheit der Saracenen durch die Hand derChristen, gekräftigt durch das Vermögen der gotteslästerlichen Inden,leichter gedemüthigt werden könnte ^). In diesem Gedankengang liegtConsequenz,' es ist die Logik des Mittelalters. Der König Ludwig,so sehr er auch die Inden begünstigte, konnte nicht weniger thun, alseinen Befehl im Sinne der päpstlichen Bulle zu erlassen, daß dieKreuzfahrer ihrer Schulden gegen die Juden ledig sein sollten ^). Fürden Augenblick hatte es also sein Bewenden bei der Plünderung derreichen Inden, welche dadurch den Armen gleich wurden. Zur all-gemeinen blutigen Verfolgung ließen es der gutgesinnte König, seineklugen Minister, der Abt Süger und namentlich der fromme Bernhardnicht kommen, der die Gemüther zu lenken verstand.
Anders verhielt es sich in Deutschland und namentlich in denrheinischen Städten, deren jüdische Gemeinden kaum von den Wundendes ersten Krenzzuges geheilt waren. Der Kaiser Konrad III. warohnmächtig; die Bürger, welche beim ersten Kreuzzug im Allgemeinenfür die Inden Partei genommen und sie beschützt hatten, waren beimBeginn des zweiten gegen sie eingenommen worden. Ein französischerMönch Rudolph, der ohne Erlaubniß seiner Obern das Klosterverlassen hatte, ein Mann von feuriger Beredsamkeit, entzündete den
9 Bei Longnsb, rsausil XIV. 642, Ou-Ollssns sorrptorss Lrsnc.IV, 460.
2) Lpllrsrirr aus Bonn, Martyrologium, abgedruckt als Anhang zurUebersetzung von Lrnsll lls.-Lg.oIra x. 105.