Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148

Geschichte der Juden.

Der König Ludwig VII. von Frankreich, von Gewissensskrnpelngepeinigt, nahm selbst das Kreuz und mit ihm die junge und leicht-sinnige Königin Eleonore sammt ihren Hofdamen, welche ans demLager der Gottesstreiter einen Minnehof machen sollten. Da auchder Abt Bernhard von Clairvaux, ein wahrhaft heiligerMann von apostolischer Herzenscinfalt und hinreißender Beredtsamkeit,zur Theilnahme an dem Kreuzznge anfforderte, so wuchsen die Scharender Wallbrüder von Tag zu Tag ins Unglaubliche. Diesmal lenkteder Papst Eugen III. die Aufmerksamkeit der Kreuzfahrer auf dieInden. Er erließ eine Bulle, daß alle diejenigen, welche sich demheiligen Kriege anschlössen, nicht gehalten sein sollten, den Inden denZins für ihre Schulden zu zahlen. Es sollte eine Triebfeder sein,

die zahlreichen Schuldner der Juden für das Kreuzheer zu werben

und ivar eigentlich nur eine verblümte Redeweise, welche die Erlaub-

niß einschloß, sich von den Schulden an die Inden frei zu machen.

Der Abt Bernhard, der es sonst verschmähte, nnheilige Büttel zuheiligem Zwecke zu gebrauchen, mußte auf die Aufforderung desPapstes diese Schuldenerleichternng oder Schuldenerlasse predigen st.Ein anderer Abt Peter der Ehrwürdige (Vsoeradilis) von Clügnywollte die Sache noch weiter getrieben wissen. Er stachelte den KönigLudwig und das Kreuzheer förmlich gegen die Juden auf. Peterhäufte Anklagen auf Anklagen gegen sie und übertrieb ihr Vergehen,um den für die Inden eingenommenen König zu einer Judenverfolgung,oder mindestens zu einer Judenplündernng zu bewegen. In einemSendschreiben an Ludwig VIl. wiederholte er die sophistischen Ver-drehungen, welche das Raubgesindel des ersten Kreuzznges ansgedachthatte, um die Plünderung der Inden im Namen der Religion zubeschönigen.

Was nützt es," schrieb Peter von Clügny,in entfernten Gegen-den die Feinde des Christenthums aufzusuchen, wenn die gottesläster-lichen Juden, weit schlimmer als die Saracenen, in unserer Mitteungestraft Christum und die Sacramente schmähen dürfen! Glaubtdoch der Saracene gleich uns, daß Christus von einer Jungfrau ge-boren, und ist doch fluchwürdig, weil er dessen Fleischwerdung leugnet,um wie viel mehr die Inden, die alles leugnen und verspotten? Dochfordere ich nicht, die Fluchbeladenen dem Tode zu weihen; denn essteht geschrieben:Tödte sie nicht." Gott will nicht, daß sie ans-gerottet würden, sondern sie sollen wie der Brudermörder Kain zugroßen Qualen, zu größerer Schmach, zu einem Leben ärger als der

st lchüstolas 8t. Löi-almräi Ho. 363.