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Geschichte der Juden.
an die jüdischen Gläubiger anzuhalten, allenfalls auch zu verhaften.Der jüdische Prevot wurde von der Gemeinde gewählt und von demKönige oder dem Baron, dem die Stadt gehörte, bestätigt *). Judenverkehrten bei Hofe und hatten Aemter inne. R. Jakob Tam,die größte rabbinische Autorität in dieser Zeit, war beim König sehrangesehen. Ein anderer talmudischer Gelehrter, Nathan Official,war, wie sein Titel aussagt, ein einflußreicher Beamter, vermuthlichdes Erzbischofs von Sens °). Ungezwungen disputirten jüdische Ge-lehrte mit Geistlichen über Religionsgegenstände und durften ihrewahre Meinung über die Dreieinigkeit, über Maria und Heiligen-verehrung , über Ohrenbeichte und Wunderthätigkeit der Reliquienäußern, namentlich um die christologischen Beweise ans dem altenTestament zu widerlegen ^).
Nathan Official war einer der lebendigsten und freimüthigstenDisputatoren jener Zeit. Als ihm einst der Erzbischof von Sens dentausendmal wiederholten Beweis für die Dreieinigkeit aus dem Verse:„Wir wollen einen Menschen schaffen", anführte, erwiderte Nathanmit einem Gleichniß: „Ich habe einem deiner christlichen UnterthanenGeld zum Ankauf von Maaren vorgeschossen, um sie nach Paris zuMarkte zu bringen und den Gewinn mit mir zu theilen. Da sieaber im Preise sanken, hat sie derselbe im Unmuthe, ohne mich zuRathe zu ziehen, vernichtet. Da du weißt, daß ich nicht auf Zinsleihe, so bitte ich dich um Gerechtigkeit gegen den Mann, der meinVermögen zerstört hat." Als darauf der Erzbischof schwor, der Christmüsse ihm Kapital und Gewinnantheil erstatten, weil er ohne Zustimmungseines Genossen die Waare vernichtet habe, erwiderte Nathan: „Undglaubst du, daß Gott minder gerecht sei? Wenn er bei der Schöpfungdes Menschen die andern zwei Personen, Sohn und heiligen Geist,zu Rathe gezogen haben sollte, müßte er nicht um so mehr mit ihnenbei dem Untergang des Menschengeschlechts zu Rathe gehen? Unddoch heißt es in der Schrift: „ich will den Menschen von der Erdevertilgen" in der Einzahl. — Einst wurde er am Hofe desselben Erz-bischofs in Gegenwart vieler Kirchenfürsten gefragt: Warum die JudenJesus zum Tode vernrtheilt haben, und er gab ihnen eine Antwortdarauf, die von Geist und Freimuth zeugt. Ebenso freimüthig erwiderte
U Folgt aus einem Schreiben Ludwig's VII. an die Stadt Utaraxss, beiLonqnst, rsonsil XI. p. 314 und Rssxonsuin des Me'tr aus RothenburgS. 112 ä.
2) Vergl. darüber Note 7.
b) S. Rsvns des HtuässR. XVIII x. 131 ff. (David Kaufmann, lssjnits st ls. Uibls äs l'llbbs Xtisnns äs Oitssmx.)