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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Jehuda Halevi.

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Diesem unwiderstehlichen Drang nach Zion, der gnadenreichenStadt, entsprang ein Kranz der gemüthvollsten Lieder, die eben sowahr empfunden, wie schön gebaut sind. Die Zionide, deren SchöpferJehuda Halevi ist, bildet die höchste Blüthe der neuhebräischen Poesieund darf mit den Psalmen wetteifern.

O, Stadt der Welt, Du schön in holdem Prangen,

Aus fernem Westen sieh' mich nach Dir bangen.

O, hätte ich Adlers Flug, zu dir entflöge ich,

Bis deinen Staub ich netz' mit feuchten Wangen.

Im Osten weilt mein Herz,

Ich selbst an Westens Rand.

Wie soll erfreuen mich,

Woran sonst ich Lust empfand?

Wie mein Gelübde lösen,

Wenn ich in Edom's Haft

Zion ich selbst in Arabiens Joch gebannt?

Wie gilt Hispaniens Gut mir nichts.

Wie mir so hoch dein Staub zu schauen,

Die Stätte, wo einst dein Tempel standst.

Das ist der Grundton, der durch alle Zionsgesänge dnrchklingt.Aber wie mannigfach weiß er das Thema zu behandeln! Welch einenReichthnm von Empfindungen, Bildern und Wendungen entfaltet erdabei! Die israelitische Vorzeit entsteht in seinen Versen in verklärterGestalt, der Volkskörper in der Gegenwart erscheint bald mit derDornenkrone tausendfachen Leids, bald mit der Strahlenkrone einerglorreichen Zukunft. Der Inhalt seiner lyrischen Ghazelen ergießtsich unwillkürlich in die Seele des Lesers und theilt ihm Schmerzund Wehmuth, Hoffnung und Jubel mit, und lange bleibt sein tieferEindruck haften, gemischt aus Schwärmerei und Ueberzeugnng.

Der national-begeisterte Dichter gab sich Mühe, seinen Glaubens-brüdern die Sehnsucht nach Jerusalem mitzntheilen und sie zu einerArt Heimkehr zu bewegen. Ein Lied, schwungvoll und lieblich, fordertedie Nation,das ferne Täubchen", auf, die Gefilde Edom's und Arab's(der Christenheit und des Islams zu verlassen und ihr heimathlichesNest in Zion aufzusuchen st. Es blieb ohne Echo. Es gehörte einehochgespannte, ideale Auffassung dazu, wie sie den frommen Dichter-philosophen durchdrang, um au einen so kühnen Flug auch nur zudenken. Einer seiner Freunde versuchte, ihm selbst den schwärmerischenEntschluß wankend zu machen, in einem Briefe von ernstem undspöttelndem Inhalte. Jehuda Halevi blieb die Antwort nicht schuldig

st Lstmls.b 53, Sachs, religiöse Poesie 292 f.st Divan l58.