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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

Als er sein religionsphilosophisches Werk begann, sprach er schmerzlichdavon, daß er gleich Andern so abgestumpft gegen das heilige Landsei und mit den Lippen Sehnsucht nach demselben ausdrücke, aber sienicht zu verwirklichen strebe ^). Je mehr er sich aber in die Wichtig-keit des heiligen Landes zur Empfänglichkeit für göttliche Gnaden-gaben hineindachte, je mehr reifte in ihm der Entschluß, dorthin zuwallfahrten und sein Alter dort zu beschließen").

Die Schwierigkeit und Gefahren, denen er entgegengehen würde,verhehlte sich Jehuda nicht, aber doch war er in einer Täuschungbegriffen. Er schien nämlich zu glauben, da das heilige Land denübermüthigen Moslemim entrissen wurde und unter christlicher Herr-schaft stand, werde er die Erlaubniß erhalten, in einem stillen Winkelseiner Andacht zu leben, oder gar da die mcssianisckie Zeit der Erlösungzu erwarten. Am meisten verhaßt war ihm, der im christlichen Spaniengeboren war, die Herrschaft des Islam,des Sohnes der SklavinHagar". Ans ihn bezog Jehuda Halevi, wie die meisten JudenAndalusiens, Daniel's Bild von dem vierten Reich, das aus Erzund Thon gemischt, auf thönernen Füßen ruht und von göttlicherHand zertrümmert werden würde. Dann werde die Herrschaft anden Menschensohn, an Israel gelangen. Die Selbstzerfleischung derMohammedaner in Spanien und die häufigen Siege der christlichenFürsten über dieselben ließen ihn die Zeit als nahe bevorstehend er-warten. Seine Seele war so tief ergriffen von dem Gedanken andie heilige Stätte, daß er ihm in Traumgestalten vorgankelte. Sohatte er einst einen sein Gemüth tief erschütternden Traum, der ihmden Sturz des Islam zeigte. Diesen Traum und die daran ge-knüpfte Hoffnung verkörperte er in einem meisterhaften Gedicht:

Ziehe ein den stolzen Arm, Hagar's Sohn!

Der Deiner Herrin Kind bedroht mit Hohn.

Ich Hab' im Traume Deinen Sturz gesehen,

Vielleicht ist's wachend schon um Dich geschehen.

Trifft das Jahr achthundert und neunzig ein (1130),

Dann wird Dein Hochmuth gebrochen sein st.

Das war die Täuschung, der sich Jehuda's glanbensvolles Herzhingab. Der nationale Gedanke, der ihn ganz beherrschte, hob ihnüber die beengte Gegenwart hinweg. Ein andermal sah er im Traumeden Tempel wieder hergestellt, die Priester beschäftigt mit weihevollenHandlungen und Hörle den Levitenchor an sein Ohr rauschen.

st Ollo2s.ri II. 24 25.

2 ) Das. V. Ende.

st Orient 1850, 39g ff. Divan 81, >59.