Jehuda Halevi.
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beherrschte diese Ueberzeugung auch seine Handlungsweise. Er ließeine Zeit lang die Schätze seines Dichtergeistes unbenutzt, weil er cs füreine Entweihung hielt, die heilige Sprache zum Affen der arabischenVersmaße zu machen. Wären Reim und Versmaß wesentliche poetischeSchönheiten, meinte er, so hätten sich ihrer die Propheten undPsalmisten bedient; sie ließen sie aber unbeachtet, weil diese Knnstformden ausdrucksvollen hebräischen Styl nur verunstalte ^). Zu seinerAbneigung gegen die neuhebräische Poesie trugen auch viel die Pfuscher-arbeiten von Dichterlingen bei, welche den großen Meistern die Hand-griffe abmerkten und ihr abgemessenes Reimgeklingel als vollendetePoesie ausgaben. Seine Verehrer konnten aber seine Unlust andichterischem Schaffen nicht begreifen und tadelten sein Verstummen.Einer derselben, ein Rabbiner Jechiel, stellte ihn einst darüber zurRede in einem Doppelverse:
„Warum will Juda uns kein Lied mehr singen?
Hat seine Jugendliebe er vergessen?"
Darauf antwortete der Dichter in Unmnth:
„Des Sanges Quell ist Schlamm und Sumpf geworden.
Daran mag meine Seele sich nicht laben.
Wie soll der Leu noch Lust an Pfaden haben,
Darauf sich tummeln niederer Thiere Horden?"2).
Indessen wie ernst gemeint auch das Gelübde gewesen sein mag,nicht mehr hebräisch zu dichten, auf die Dauer konnte es der vollendeteMeister nicht erfüllen. Brauchte er doch die Poesie, um die Idealeseines Innern lebensvoll zu verkörpern; war es ihm doch ein unab-weisliches Bedürfniß, sich und Andere mit des Liedes Zauberwortzu begeistern. Er vergaß daher bald sein Gelübde und dichtete weiter.Aber einen anderen Entschluß, den er in tiefster Seele faßte, vollführteer und brachte ihm die größten Opfer. Es stand dem philosophischenDichter fest, daß das heilige Land die Spuren göttlicher Gnade trage.Seine Dichterseele war ganz erfüllt von der geistigen HerrlichkeitPalästinas. Aus dem verblichenen Glanze seines verkümmerten Zu-standes könne man noch höhere Erleuchtung sangen. Die Wollustdes Schmerzes durchzuckte sein Herz bei dem Gedanken an die heiligenTrümmer. Für ihn mündeten die Pforten des Himmels noch immeri« die Thore Jerusalems ein, dort ergießt sich noch immer die gött-liche Gnade und vermag dem empfänglichen Gemüthe Beseeligung undhöhern Frieden zu gewähren. Dorthin wollte er ziehen, dort seinerInnerlichkeit leben und sich vom Gotteshauche durchwehen lassen.
st 0llo2ari, H. 66. l?arollon Einl. S. 56.
st Divan 55, 113.