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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

sei und das Ideal, welches je Menschen erreichen könnten, rein dar-gestellt habe. Alle Wahrheiten, die dem menschlichen Geiste zugänglichsind, habe Adam ohne mühsames Erlernen durch innere Anschauunggewußt, er habe gewissermaßen eine prophetische Natur besessen undheiße darum Gottes Sohn. Diese Vollkommenheit, das geistig-sittlicheGut, habe er auf diejenigen seiner Nachkommen vererbt, die dafürvermöge ihrer seelischen Organisation empfänglich waren. Durch dielange Kette der Geschlechter, nicht ohne Unterbrechung, sei dieseangeborene Tugendhaftigkeit auf den Stammvater derIsraeliten, auf Abraham, übergegangen und habe sich auf die Ahnender zwölf Stämme vererbt. Das israelitische Volk bilde daher dasHerz und den Kern der Menschheit, das für die göttliche Gnade,namentlich für die Prophetengabe, ausschließlich befähigt seiest Dieseideale Natur erhebe die Inhaber zu einem höhern Grade, sie bildegewissermaßen die Zwischenstufe zwischen den gewöhnlichen Menschenund den Engeln. Um diese göttliche Eigenthümlichkeit zu erhaltenund zu Pflegen, dazu bedurfte es eines Schauplatzes, der vermögeseiner klimatischen Verhältnisse das höhere Geistesleben zu fördern imStande sei. Dazu habe Gott das Land Kanaan ausersehen. Wiedas israelitische Volk, so sei auch das heilige Land auserwählt worden,weil es im Mittelpunkte der Erde liege. Dort habe sich die WaltungGottes durch Erweckung von Propheten und durch einen von derNatur unabhängigen, außerordentlichen Segen oder Fluch sichtbarlichgezeigt 2). Auch die Gebote und Verbote, welche das . Judenthumvorschreibt, seien Mittel, um die göttlich-prophetische Natur in derisraelitischen Nation zu Pflegen und zu erhalten. Dazu waren diePriester aus dem Hause Aarons berufen, dazu der Tempel erbaut,dazu die Opfergesetze vorgeschrieben und der ganze Cultus ungeordnet.Die Gottheit allein, die alle diese Gesetze gegeben, wisse, inwiefern sieden Hauptzweck fördern. Menschliche Klügelei dürfe daran nichtmäkeln oder ändern, weil der Zweck durch eine noch so geringfügigscheinende Aendernng leicht verfehlt werden könnte, ebenso wie dieNatur durch eine geringe Veränderung des Bodens und des Klimasandere Erzeugnisse hervorbringe ^).. Nicht die Pflichten der Sittlich-keit und nicht die Bernunftgesetze machten die Eigenthümlichkeit desJudenthums aus (wie Manche annehmen); diese seien vielmehr nurals Grundbedingungen zur Constitnirnng und zum Zusammenhalten

st Das. 47. 95, 103, IV. 15.st Das. 109, II. 10-14, 22 V. 22.st Das. 99, II. 50.