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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Seine Religionsphilosophie.

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beruhe, den der Denker respectiren müsse, auf dem Grunde derThatsachen. Die jüdische Religion sei nicht allmälig durch einefortschreitende Entwickelung entstanden, daß sie etwa von einem weisenManne ausgedacht, von zuströmenden Anhängern anerkannt und ver-breitet worden wäre. Sie sei vielmehr plötzlich wie eine Schöpfungin's Leben getreten. Sie sei vor einer großen Volksmenge, vorMillionen Menschen geoffenbart worden, die es wohl nicht an Prüfungund Untersuchung haben fehlen lassen, ob sie nicht von einem Blend-werk getäuscht worden seien. Auch alle die Wunder, welche dersinaitischen Offenbarung vorangegangen und während der Wüsten-wanderung sich fortsetzten, seien vor vielen Augen geschehen, wobeikeine Täuschung möglich war. Aber nicht bloß ein einziges Mal,etwa in den Anfängen des israelitischen Bolksthums, hat sich diesichtbare Einwirkung Gottes auf dasselbe erwiesen, sondern sie zeigtesich öfters und äußerte sich ein halbes Jahrtausend hindurch in demAnsgießen des prophetischen Geistes auf Einzelne und ganze Kreise.Vermöge dieses Charakters augenscheinlicher Thatsächlichkeit wohnedem Judenthume eine größere Gewißheit inne, als sie die Weltweisheitzu geben vermöge. Das Dasein Gottes ist durch die Offenbarungam Sinai kräftiger bewiesen, als durch Verstandesschlüsse. Wennalso das Jndenthum die Schöpfung des All ans Nichts, die EinheitGottes, dessen Vorsehung und väterliche Waltnng über das Menschen-geschlecht lehrt, so seien hiermit die das Gegentheil behauptendenVoraussetzungen der Philosophie wie weggeblasen. Damit glaubteJehnda Halevi nicht bloß der philosophischen Weltanschauung seinerZeit, sondern zugleich dem Christenthnm und dem Islam den Bodenentzogen und das Kriterium angegeben zu haben, wodurch die wahreReligion von der falschen unterschieden werden könnte'). Das Jnden-thum vertröstet seine Bekenner nicht ans ein seligkeitsvolles Jenseits,sondern zeigt ihnen schon hienieden einen Einblick in das göttlicheReich und erhebt durch fortdauernde, unleugbare Thatsachen dieHoffnung auf Unsterblichkeit der Seele zur Gewißheit 2).

Indessen hatte er hiermit nur das Jndenthum im Allgemeinendenkmäßig begründet, noch nicht seinen reichen Inhalt. Um diesenzu rechtfertigen, stellte Jehnda Halevi eine Ansicht auf, die jedenfallsoriginell und geistreich ist. Die Wahrheit der Weltschöpfung, wie siedie Thora erzählt, voraussetzend, geht er von dem Gedanken ans, daßder erste Mensch, da er aus der Hand des Schöpferrs ohne störende elterlicheEinflüsse hervorgegangcn ist, geistig und körperlich vollkommen gewesen

') OboMiä I. 27 91. 2 ) Aas. 104109.