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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

Mit seiner richtigen Ansicht über den Werth des speculativenDenkens der dogmatischen Metaphysik steht Jehuda Halevi nichtnur in seiner Zeit allein, sondern er eilte damit auch mehrere Jahr-hunderte voraus. Während die Denker seiner Zeit, Juden, Moham-medaner und Christen. Rabbiner, Ulema's und Kirchenlehrer das Knievor Aristoteles beugten, dessen philosophische Aussprüche über Gottund sein Verhältniß zur Welt fast über die heilige Schrift setzten,wenigstens die Bibelverse so lange zwängten und deuteten, bis sieeinen philosophischen Sinn aussagen mußten, und also in einemAthemzuge gläubig und ungläubig waren, hatte Jehuda Halevi denMuth, dem menschlichen Denken seine naturgemäße Grenze zuzuweisenund ihm zuzurufen: Bis hierher und nicht weiter! Die Philosophiehabe keine Berechtigung, gegen offenkundige Thatsachen anzurennen,sondern müsse dies als unumstößliche Wahrheit hinnehmen, und erstvon da aus ihre Wirksamkeit einsetzen, sich die Thatsachen zurecht zulegen und sie mit Gedanken zu durchleuchten. Wie im Reich derNatur das Denken die thatsächlichcn Erscheinungen, so auffallend undvernunftwidrig sie auch auftreten, uicht weglcugnen darf, sondern sichbemühen muß, sie zu fassen, ebenso müsse es sich auf dem Gebieteder Gotteserkenntniß verhaltenst. Diesen trefflichen und unerschütter-lichen Gedanken, der erst in der neuesten Zeit nach vielen Jrrgängender Philosophie sich Bahn bricht, hat Jehuda Halevi zuerst auf-gestellt. Von den Resultaten des griechischen Geistes, welchen gelehrigePhilosophenjünger gierig einsogen, nrtheilte er in einem ebenso schönen,als wahren Gedichte:

Laß dich durch griechische Weisheit nicht verlocken,

Die keine Früchte treibt, nur schöne Blüthen.

Und ihr Inhalt? Das Weltall nicht von Gott erschaffen,

Von Urbeginn an da, umhüllt mit Mythen.

Lauschst du gierig auf ihr Wort, du kehrst zurückMit geschwätzigem Mund, das Herz leer, unzufrieden" st.

Der Philosophie dürfe man, nach Jehuda Halevi's Ansicht, in reli-giösen Dingen schon deßwegen keine entscheidende Stimme einräumen,weil sie öfter Schwankungen unterworfen ist, und die Jünger der-selben oft entgegengesetzte Ansichten aufstellen. Wenn sie die Er-kenntlich Gottes anstrebt, so verbindet sie damit nur einen theoretischenZweck, um den Drang nach Wissen zu befriedigen, aber nicht einhöheres Ziel erreichen zu lassen.

Das Judenthnm könne daher nach diesem System gar nicht vonder Philosophie angefochten werden, weil es ans einem festen Grunde

st Das. I, 5 . st tZstalab 56 , Ende; Geiger, Divan 86.