Jehuda Halevi's Chozari.
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Dem Chazarenkönig, der ein eifriger Anhänger seines Götzen-kultus war und fromme Gesinnungen hatte, sei wiederholentlich einEngel im Tranm erschienen, der ihm die bedeutungsvollen Wortezugerufen: „Deine Gesinnung ist gut, aber dein gottesdienstliches Thunist verwerflich." Um Gewißheit zu erlangen, auf welche Weise dieGottheit verehrt werden sollte, habe er sich an einen Philosophengewendet. Der Weltweise, halb dem aristotelischen, halb dem neu-platonischen System huldigend, entwickelte dem Könige mehr denUnglauben als den Glauben. Er setzte ihm auseinander, daß dieGottheit zu erhaben sei, um znm Menschen in irgend einem Verhält-niß zu stehen oder von ihm gottesdienstliche Verehrung zu verlangen.Die Welt und das Menschengeschlecht seien ebenso urweltlich wie dieGottheit. Man bedürfe keines persönlichen Gottes, da dieser ohnehinvermöge seiner Unveränderlichkeit gar nicht auf die niedere Welt ein-wirken könne. Der physisch und geistig gut ausgestattete Mensch ver-möge ganz ohne Religion den höchsten Grad der Vollkommenheit zuerreichen durch philosophische Theorie und sittliches Leben, daun habeer Theil an dem allgemeinen Weltgeiste (der intellektuellen Welt,dem thätigen Verstände), erlange dann eine Engelsnatur und gehe einzu der Schar der Denker, der Hermes, Asklepios, Sokrates, Platound Aristoteles. Eine ans Glauben beruhende und in religiösen That-handlungen bestehende Religion sei für diesen hohen Standpunkt ganzbedeutungslos, ja solch ein vollkommener Mensch könne selbst eineReligion erfinden, lehren und ausbreiten. Möglich, daß ein solcherdurch Theilhaben am Weltgeiste die Zukunft durch Träume und Gesichtezu offenbaren im Stande sei.
Der Chazarenkönig habe sich aber durch diese erstarrende Aus-einandersetzung wenig befriedigt gefühlt. Er empfand es, wie es ihmauch der Engel im Tranm angedeutet hat, daß es gottesdienstlicheHandlungen von unbedingtem Werthe geben müsse, ohne welchedie fromme und sittliche Gesinnung ohne Bedeutung sei. Es wäresonst auch gar nicht zu begreifen, wie das Christenthnm und derIslam, welche die Welt unter sich getheilt haben, einander bekämpfenkönnen und sogar das gegenseitige Niedermetzeln für ein frommesWerk halten, wodurch sie das Paradies erlangen würden, wenn gottes-dienstlicher Cultus etwas ganz Gleichgültiges wäre. Beide Religionenberufen sich außerdem ans göttliche Offenbarungen und weisen Pro-pheten auf, welche mit Berufung auf die Gottheit Wunder gewirkt haben.Gott müsse also doch in irgend einer Weise eine Beziehung zu denMenschen haben, es müsse irgend etwas Geheimnißvolles geben, wovondie Philosophen nichts ahnen. Darauf habe sich der König entschlossen,