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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

die Vertreter des Christenthums und des Islams zu berufen, um vonihnen die wahre Religion kennen zu lernen. Die Juden mochte erAnfangs gar nicht zn Rathe ziehen, weil aus ihrer niedrigen Stellungnnd der allgemeinen Verachtung, der sie anheimgefallen sind, dieNiedrigkeit ihrer Religion hinlänglich zn erkennen sei.

Das Christenthum habe darauf dem Chazarenkönig sein Glaubens-bekenntniß durch den Mund eines Priesters eröffnet. Die christlicheReligion nehme die Urweltlichkeit Gottes und der Weltschöpfnng an,lehre auch, daß alle Menschen von Adam abstammen, glaube an Alles,was die Thora nnd die Grundschriften des Judenthums lehren, habeaber zum Grnnddogma die Menschwerdung der Gottheit vermittelsteiner Jungfrau aus dem jüdischen Fürstenhause. Die Christenlehrenehme an, diese Jungfrau habe einen sichtbaren Menschen, aber unsicht-baren Gott, einen erscheinenden Propheten, aber ein unsichtbares Gottes-wesen zur Welt gebracht. Der Gottessohn sei eins mit dem Vaternnd dem heiligen Geiste. Dieser dreieinige Gott werde von denChristen als eine Einheit verehrt, wenn auch der Ausdruck ihn alseine dreifache Persönlichkeit bezeichne. Viele Inden haben an diesenGottessohn geglaubt, die meisten aber ihn verworfen, darum habe auchGott sie verworfen, und die Christen seien als die wahren Israelitenzu betrachten; die zwölf Apostel seien an die Stelle der zwölf Stämmegetreten.

Der Chazarenkönig habe sich auch von der Auseinandersetzungdes Christen nicht befriedigt gefühlt, weil diese Annahme sich mitdem Verstände nicht vertrage, sie müßte denn auf eine unwiderleglichüberzeugende Weise dargethan werden, wodurch sich die menschlicheVernunft genöthigt sähe, sich gefangen zn geben. Ihm aber leuchteder Grnndglanbe des Christenthnms nicht ein, da er nicht in-dem-selben erzogen sei; er habe es daher als seine Pflicht angesehen, nochweiter der wahren Religion nachznforschen.

Er habe darauf einen mohammedanischen Theologen gefragt, der ihmdie Grnndlehre des Islams auseinandersetzte. Diese nehme die Einheitund Urweltlichkeit Gottes nnd die Weltschöpfnng aus Nichts an, dieVerähnlichung Gottes mit einem Menschen weise sie zurück. Sie lehre,daß Mohammed das Siegel der Propheten sei, der alle Völker zumGlauben berufen, den Gläubigen das Paradies mit allen Wonnenvon Essen, Trinken und Liebesgennß verheißen, dem Ungläubigen aberdas ewige Feuer der Verdammniß zugewiesen habe. Die Wahrheitdes Islams beruhe auf dem Umstande, daß kein Mensch im Standesei, ein so vortreffliches Buch, wie der Koran, oder auch nur eineeinzige seiner Suren zu verfassen. Auch ihm habe der Chazaren-