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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

wenn man wahrnimmt, daß sie keiner dichterischen Laune entstammte,sondern von einer tief ernsten Ueberzengung getragen war. Er warnicht bloß vollendeter Dichter, er war auch geistvoller Denker, aberin der Art, daß Empfinden und Denken in seinem Innern in Einszusammenflossen. Poesie und Philosophie waren in seiner Brust innigverschwistert, aber beide nicht als etwas Fremdes, Erborgtes, künstlichAngeeignetes, sondern als etwas Ureigenes. Wie er die National-gefühle Israels in seinen Zioniden zum Ausdruck brachte, so ver-dolmetscht er auch, wenn man so sagen darf, die Nationalgedankendes Judenthums auf eine sinnige, geistvolle Weise. Poesie und Philo-sophie dienten ihm nur dazu, Israels Erbe zu verklären und zu ver-geistigen. Er stellte eigene Gedanken auf über das Verhältniß Gotteszur Welt, des Menschen zu seinem Schöpfer, über den Werth dermetaphysischen Spekulation, über ihr Verhältniß zum Judenthum undüber die Bedeutung desselben gegenüber dem Christenthum und Islam.Alle diese tief einschneidenden Fragen löste er nicht in trockener,scholastischer Weise, sondern lebendig, warm, überwältigend. Ist erin seinen Liedern einem Korachiden ähnlich, so gleicht er in seinerGedankeneniwickelung dem Verfasser des Hiob, nur inhaltsreicher, tiefer,umfassender als dieser. Diesem oder dem dichterischen Philosophen Platohat Jehuda Halevi die Form seines religiös-philosophischen Systemsentlehnt, die Gedanken nicht bloß in Zwiegesprächen auseinander zulegen, sondern sie an eine geschichtliche Thatsache zu knüpfen, eineForm, welche das Interesse für den Gegenstand um Vieles erhöhtund den Eindruck dauernd macht. Als einige Jünger ihn fragten,wie er sich das rabbanitische Judenthum zurechtlege, und wie er dieEinwendungen, welche die Philosophie, das Christenthum, der Islamund das Karäcrthnm gegen dasselbe Vorbringen, zurückzuweisen vermöge,antwortete Jehuda Halevi mit einem umfassenden, gedankenreichen Werkein Dialogform, in einem eleganten Arabisch geschrieben. Das Werksollte die Wahrheit des Judenthums beweisen und die geschmähteReligion rechtfertigen, wie sein Titel lautet (Litab al-OlinZZali v'^.äckalil L. Unsra.Ii Oin aääsali).

Ein Heide, der weder etwas von der Schulweisheit, noch vonden bestehenden drei Religionen weiß, aber das Bedürfniß fühlt, sichmit seinem Schöpfer in eine innige, kindliche Verbindung zu setzen,wird von der Wahrheit des Judenthums überzeugt. Dieser Heide istder Chazarenkönig Bnlan, welcher sich zur Religion Israels bekannte(B. V.z S. 188). Ihn nahm der Philosoph von Castilien zum geschicht-lichen Ausgangspunkt, und davon erhielt das Werk seinen NamenChozari (falsch Knsari). Die künstlerische Einleitung spannt dasInteresse des Lesers durch eine sachgemäße Einkleidung.