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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Siechen und Sterbenden ging ihm die Seele nicht unter, und er retteteseine ideale Lebensanschauung. Interessant ist der Brief, den er imreifen Alter (um 1130) an einen Freund schrieb.Ich beschäftigemich selbst in den Stunden, die weder zum Tage noch zur Nachtgehören, mit der Eitelkeit der Heilkunde, obgleich ich nicht zu heilenvermag. Die Stadt, in der ich lebe, ist groß, die Bewohner sindRiesen, aber es sind harte Herren. Womit könnte ich sie beschwich-tigen, als indem ich meine Tage mit der Heilung ihrer Krankheitvergeude! Ich heile Babel, aber es bleibt immer siech. Ich flehe zuGott, daß er mir bald die Erlösung sende und mir die Freiheit ge-währe, die Ruhe zu genießen, daß ich zu einem Orte lebendigenWissens, zur Quelle der Weisheit wandern könnte" "h. Die Stadt,von der Jehuda hier spricht, ist Toledo, wo er im Mannesalterweilte 2). Er sehnte sich daraus hinweg, weil Toledo damals nochnicht Sitz der jüdischen Wissenschaften war^).

Die ganze Kraft seines schöpferischen Geistes verwendete er fürdie Dichtkunst und für die gedankenmäßige Erforschung des Juden-thums. Von der Poesie, die ihm als etwas Heiliges und Gott-entstammtes galt, hatte er eine richtigere Vorstellung als seine arabischenund jüdischen Zeitgenossen. Er sprach es deutlich aus, daß der Dichter-draug etwas Ursprüngliches, Angebornes sein müsse, und nicht eineKunst, die erlernt werden könne. Er spottet über diejenigen, welcheRegeln über Versmaß und Reim ertheilen und groß damit thun.Der wahre, berufene Dichter trage die Regel in sich und werde, ohnezu fehlen, stets das Richtige treffen^). So lange er jung war, ver-schwendete er das Gold seiner reichen Poesie an leichten Flitterkram,machte wie alle Welt lobschäumende Kaziden, um seine zahlreichenFreunde zu verherrlichen. Er sang von Wein und Freuden unddichtete Räthsel. Als ihn die Freunde darob tadelten (um 1110),erwiderte er ihnen in jugendlichem Uebermuthe:

Sah vierundzwanzig Jahre noch nicht scheiden,

Und sollt' den Weinkrug grämlich meiden?"'').

In diesen leichtgeschürzten Dichtungen gefiel er sich, die Schwierig-keit künstlich verschlungener Versmaße zu überwinden. Oefter brachteer am Ende eines Gedichtes einen arabischen oder castilianischen Vers

>) Das. 129.

2) Vergl. Landshut ^.nanäs H>oäa. 1. S. 77.

Ussxonsura des Joseph Jbn-Migasch in 1?ssr lla-Oor Ho 211, 214.

Ollo2g.ri V. Ho. 16.

5) Orient. Litbl. I8L0 oot. 398.