Der Dichter Jehuda Halevi.
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zu trösten und redete ihm sauft zu Herzen. Dieser, ganz überwältigtvon den schönen Versen und dem gedankenreichen Inhalt, erwiderte ihm:
„Dein Schreiben, Freund, erkräftigt mich,
Zur Zeit, da Muth und Freude wich.
Ein Schreiben, gleich dem Morgenglanz,
Ein Lied, ein Geistesblüthenkranz,
So kräftigen Klangs, so zart und weich,
Voll edlen Sinns und tief zugleich.
Du, Knabe noch, du zarter Sohn,
Wie kommt's, daß du ein Weiser schon.
Schon in des Wissens Tiefe drangst,
Zu solcher Höh' empor dich rangst"9?
Jehuda Halevi scheint noch in Lucena gewesen zu sein, als Alsüßistarb und Joseph Jbn-Migasch ihm im Rabbinate nachfolgte (1103). Ansden Tod des Eine» dichtete er eine schöne Elegie und zum Amtsantrittdes Andern ein Huldignngslied voller Verehrung. Der Jünglingempfand auch der Liebe Lust und Weh; er besang die Gazellenaugenseiner Geliebten, ihre Rosenlippen, ihr Rabenhaar. Er seufzte überderen Trennung und Untreue und über die Wunden, die sie seinemHerzen geschlagen. Seine Liebeslieder athmen jugendliches Feuer undraschen Flug. Der südliche Himmel spiegelt sich in seinen Versen ab,aber auch die grünen Matten, die blauen Flüsse. Seine Jngendpoesieträgt schon den Stempel künstlerischer Vollendung, reicher Phantasieund schönen Ebenmaßes, Gluth und Lieblichkeit. Da ist kein Wort-geklingel, kein gedankenleerer Reim, Alles zeigt Maß und Sicherheit^).Den Liebesdrang scheint Jehuda Halevi vollständig überwunden zuhaben, wenigstens zeigt sich in seinem späteren Leben und seinenGedichten keine Spur mehr davon.
Jehuda Halevi hatte sich nicht bloß die hebräische Sprache unddie Kunstform neuhebräischer Poesie so sehr zu eigen gemacht, daßer sie meisterhaft beherrschte, sondern er hatte sich auch Verständniß desTalmud verschafft, sich in Naturwissenschaften umgethan, in die Tiefeder Metaphysik versenkt und mar in allen Fächern der Wissenschaftheimisch. Arabisch schrieb er mit Eleganz, und die junge castilianischePoesie war ihm geläufig ^s. Seinen Lebensunterhalt zog er von derArzneiknnde, die er, in seine Heimath zurückgekehrt, übte. Er scheintals Arzt viel Vertrauen genossen zu haben; denn er schrieb einmalan einen seiner Freunde, daß er, in einer großen Stadt lebend, vielbeschäftigt sei. Aber bei der Beschäftigung mit dem Leibe unter
st Dukes a. a. O. S. 99. Divan des Castiliers Abulhassan S. 15.st 6-inss Oxüorcl 23. Divan 123.st Vergl. Divan 28 und 127.