Keckstes Kapitel.
Abulhassan Jehuda Halevi.
Seine Biographie, seine Jugendpoesie und seine Stellung. Sein Dichterwerth,seine Zioniden. Sein philosophisches System im Buch Chozari. SeineSehnsucht nach dem heiligen Lande. Seine Reise. Sein Aufenthalt inEgypten. Der Fürst Samuel Almanßur. Jehuda's Aufenthalt in Jerusalem.Seine Klage über Verkommenheit und seine letzte Zionide. Sein Todund die Sage darüber.
1105 — 1145.
Der Glanzpunkt dieser Zeit und ihr Hauptträger war eben dieserAbnlhassan Jehuda b. Samuel Halevi (Jbn-Allevi) aus Alt-castilien (geb. um 1086 st. Er verdient in den Jahrbüchern derMenschheit ein eignes Blatt mit einem Goldrande. Um ihn würdigzu schildern, müßte die Geschichte der Poesie ihre glänzendsten Farbenund lieblichsten Töne entlehnen. Jehuda Halevi war ein Aus-erwählter, an dem die Bezeichnung, „ein Ebenbild Gottes", weder eineLüge, noch eine Uebertreibung ist. Lichtumflossen hat ihn der Himmelentsendet, und er blieb während seiner irdischen Laufbahn unbeflecktvon irdischem Staube. Er war eine abgerundete volle Persönlichkeitein vollendeter Dichter, ein vollendeter Denker, ein würdiger Sohndes Jndenthums, das er durch Dichten und Denken verklärt undidealisirt hat.
Wenn einst Spanien seine Vorurtheile besiegt haben und seinegeschichtlichen Größen nicht mit kirchlichem Maßstabe messe» wird, sowird es in seinem Pantheon Jehuda Halevi einen Ehrenplatz an-
0 Sein Geburtsjahr zu ermitteln haben sich bemüht Rapaport, Luz-zatto (Lsrsra Odsrusä VII. 267), Edelmann (Olnss Oxlorcl VIII f.),Geiger (Divan 116 f.), D. Cassel (Ousari S. 5. Note 6). Am richtigsten istRapaport's Annahme, daß seine Geburt zwischen 1085 — 86 fällt, da er seineReise nach Palästina nicht vor dem Jahre 1141 unternahm und in einemGedichte, das ihn zu seiner Wallfahrt ermuthigen sollte, sich selbst als „in denFünfzig stehend" schildert. Nehmen wir an, daß er damals im sünfundfünf-zigsten Lebensjahre stand — älter darf man ihn zu der Zeit nicht denken —so fiele sein Geburtsjahr 1086.