104
Geschichte der Juden.
„Womit soll ich dem Meister der Wissenschaft dankenFür die Auszeichnung, die er mir gewährt?
Die Zeit vergeht wie Moder, aber die Liebe ist ewig."
Die Verse des Joseph Jbn-Sahal sind leicht, fließend, glatt, wennauch ohne Pracht und Reichthum. Seinen innig religiösen Sinnbekundet er in demselben Gedichte an seinen Freund Z:
„Wenn das Verhängnis; dich peinigt, so besiege es mit starker Seele.Thürmen Meereswogsn sich über Dein Haupt, so setze ihnen ein starkesHerz als Damm entgegen. Vertraue auf Gott, dessen Gnadenspende gleichdem Sternenheer unermeßlich ist. Die Zeit kann Dir Nichts geben, Nichtsnehmen. Auf ihn allein vertraue, verfolgt Dich der Feind und um-schwirren Dich die Pfeile."
Als eine bedeutende talmudische Autorität galt seiner ZeitBaruch b. Isaak Jbn-Albalia aus Cordova, (geb. 1077, st. 1124 ^).Im siebzehnten Lebensjahr wurde er Jünger und Adoptivsohn vonseines Vaters ehemaligem Gegner AlfLßi (o. S. 78) und eignete sichvon demselben die gründliche Behandlung des Talmud an. Philo-sophisch gebildet, reich und durch einen alten Adel hervorragend, wurdeBaruch Albalia bei jedem Anlasse von den Dichtern seiner Zeit ausvoller Seele gefeiert:
„Dem Verschmachtenden ist er frischer Quell,
Licht dem im Dunkel Tastenden.
Segen ist er, wie sein Name lautet" (Baruch).so sang von ihm der Dichterkönig seiner Zeit Er erzog einenKreis von Jüngern, unter ihnen den später berühmt gewordenenGeschichtsschreiber Abraham Jbn-Dand.
In Nordspanien war Jehuda b. Barsila'i aus Barcelonaeine talmudische Autorität dieser Zeit, Jünger des Isaak b. Rauben.Von seinen Lebensumständen ist weiter nichts bekannt, als daß ermit dem Astronomen Abraham b. Chija (o. S. 101) befreundet war Z.Jehuda Albargeloni verfaßte mehrere talmudische Werke über Ehegesetzeund Festeszeiten (8etsr bu-lttim), die sehr geschätzt waren °). Obwohlphilosophisch gebildet und Verfasser eines Commentars zum „Bucheder Schöpfung", hatte dieser Rabbiner von Barcelona bereits Mißtrauengegen die freie philosophische Forschung. Man dürfte nicht, meinteer, philosophische Sätze vom ersten besten aufnehmen, sondern sichnur den Ergebnissen der als fromme Rabbaniten bewährten Denkeranvertrauen, wie Saadia, Samuel b. Chofni und allenfalls David
r, Das. Dukes, S. 101, Nr. 11.
2) Abraham Jbn-Daud.
b) Bei Luzzatto llsimlat S. 2b, vergl. 6-iuss Oxlorä XIII.
Z Xsrsra Obsrasä VIII. 58.
5) Vergl. Asulai Labsru ba-Osäolim sä. Lsii-äaoob, p> 64, Nr. 22.