92
Geschichte der Juden.
selbst entleibt. Darauf wurden die übrigen Juden in Mörs gefesseltzu den Wallbrüdcrn außerhalb der Stadt geschleppt, welche einenTheil tödteten und die andern gewaltsam tauften. — Tags darauf(1. Juli) erlitten die Juden in Kerpen das Märtyrerthum. ImGanzen sollen in den rheinischen Städten in zwei Monaten (Maibis Juli) zwölftausend Juden getödtet worden sein. Die Uebrigenhatten zum Schein das Christenthum angenommen, jedoch nur in derErwartung, daß der gerechte Kaiser bei seiner Rückkehr aus Italienihren Klagen Gehör schenken werde.
Ueberall wo die wilden Wallbrüder durchzogen und Indentrafen, wiederholten sich die tragischen Scenen. Namhaft gemachtwird noch als Dulderin die große Gemeinde in Regensbnrg. DieJuden Böhmen's treten durch die Vorfälle des Kreuzzuges in dieGeschichte ein. Sie hatten bis dahin das Joch des Druckes nichtempfunden, da das Christentum in den finnischen Ländern noch nichtzur Macht gelangt war. Manche unter ihnen waren wohlhabend undvermittelten den Sklavenhandel, der meistens mit Slaven (Sclavoniern)betrieben wurde, aus der ersten Hand nach dem europäischen Westenund Spanien. Aber sie kamen dadurch in Konflikt mit der Geist-lichkeit, und der Bischof Adalbert von Prag eiferte gegen sie mitNachdruck und gab sich Mühe, viel Geld znsammenzubringen, um denJuden die Sklaven abzukansen. Gewaltsam entziehen durfte er sieihnen nicht, so wenig Gewicht hatte damals die Geistlichkeit imBöhmerlande. Da kam der Kreuzzug und verpflanzte den Giftsamendes Fanatismus auch dahin. Als die Wallbrüder durch Böhmenzogen, war der mächtige Herzog Wratislaw (Bracislaw) II. miteinem auswärtigen Krieg beschäftigt, und Niemand da, der dem Unfugsteuern sollte. Das kreuzzüglerische Gesindel hatte also volle Freiheit,seinen Fanatismus zu befriedigen, schleppte die Inden Prags zurTaufe und tödtete die Widerstrebenden. Vergebens predigte derBischof Cosmas gegen diese GewaltthätigkeitZ. Die Kreuzzüglerverstanden ihr Christenthum besser, als der Kirchenfürst.
Zum Glücke für die Juden Westeuropas und namentlich Deutsch-lands und zur Ehre der Menschheit war nur der Abschaum desVolkes von blutigem Fanatismus erglüht. Die Fürsten und Bürgerdagegen verabscheuten die Mordthaten, und die höhere Geistlichkeitselbst, mit Ausnahme des Erzbischofs Ruthard von Mainz undEgilberts von Trier, standen auf Seiten der Juden. Die Zeit warnoch nicht gekommen, wo die drei Mächte, Fürsten, Völker und Geist-
U Liosirms UiÄAsnsis Obronieon Uosmornrn p. 125.