Die Märtyrer von Mainz und Köln. 89
von Leiningen die Kreuzfahrer vor die bischöfliche Residenz und ver-langte mit wildem Geschrei die Auslieferung der Juden. Der Erz-bischof hatte zwar Bedeckung zum Schutze aufgestellt; aber diese
wollte nicht gegen Christen und Wallbrüder die Waffen gebrauchen.
Leicht durchbrachen die Kreuzfahrer die Thüren des Palastes undergossen sich in die Räume, um die Juden aufzusnchen. Hier wieder-holte sich das entsetzliche Schauspiel von Worms. Mit dem Einheits-bekenntniß auf den Lippen fielen Männer, Frauen, Kinder undGreise durch das Schwert ihrer Brüder oder ihrer Feinde. Drei-
zehnhundert Märtyrerleichen wurden später aus dem Palaste aufWagen aus der Stadt geführt. Die Träger der Talmudgelehrsam-keit aus R. Gerschom's Schule wurden damals hingerichtet, derenNamen so wie die vieler anderer Märtyrer das Erinnerungsbuchder Mainzer Gemeinde (Memor-Buch) aufbewahrt hat. Die Schätzeder Juden behielt der Erzbischof und theilte sie mit Emmerich.Sechszig Juden hielt Ruthard in dem Dom verborgen und ließ siespäter nach dem von der Straße abgelegenen Rheingau bringen.Aber auch sie wurden ergriffen und geschlachtet. Die Taufe nahmennur Wenige. Zwei Männer und zwei Mädchen, Urijah und Isaakmit zwei Töchtern, welche im Taumel oder aus Schwäche getauftworden waren, trieb die Reue zu einer schaudererregenden, heroischenThat. Isaak schlachtete' zwei Tage später, am Vorabende des Pfingst-festes, seine Töchter in seinem Hause und legte seine Wohnung inBrand. Darauf begab er sich mit seinem Gefährten Urijah in dieSynagoge, zündete sie ebenfalls an, und beide starben den Feuertoddurch eigene Hand. Durch dieses Feuer wurde ein großer Theil vonFltainz in Asche gelegt.
Indessen sammelte sich ein Haufen entarteter Kreuzfahrer unterHermann dem Zimmermann um Köln, gerade am Vorabende desWochenfestes. Die älteste Gemeinde Deutschlands machte sich aufdas Gräßlichste gefaßt; doch flehten die Juden die Bürger und denBischof um Schutz au. Von Mitleid mit ihren jüdischen Mitbewohnernergriffen, zahmen die menschlich gesinnten Kölner Bürger sie in ihreHäuser ^,auf. Als das rasende Gesindel des andern Tages, amjüdischen Wochenfest (Freitag 30. Mai), mit dem frühesten Morgenin die Häuser der Juden drangen, fanden sie sie menschenleer undkonnten ihre Wuth nur an Stein und Holz kühlen, zerstörten sie,raubten den Inhalt und zertraten die Gesetzrollen, die sie vorfanden,gerade am Tage, der Gesetzgebung. Ein Erdbeben, das an diesemTage gespürt wurde, stachelte die wahnbethörteu Blutmenschen, stattsie. zu schrecken^ nur zu neuem Rasen auf, indem sie cs als Zeichen