70 Geschichte der Juden.
doch dem Einflüsse der andalnsischen Richtung nicht entziehen unddeutete gleich Jbu - G'ikatilla manches Wunderbare in der heiligenSchrift philosophisch in einen natürlichen Vorgang umZ. BeideSchriftforscher waren auch liturgische Dichter, aber ihre poetische»Leistungen wurden nicht zu den gelungenen gezählt.
Die Vertreter der spanischen Juden ragten also durch Wissen-schaft und Poesie hervor, in Frankreich nahm das Talmudstudiumeinen hohen Aufschwung. Die Inden der italienischen Halbinsel da-gegen erscheinen noch immer auf einer sehr niedrigen Kulturstufe.Ihre Dichtungen, synagogale und außersynagogale — von Sab Ka-tar b. Mose aus Rom (um 1150), von seinem Sohn Kalonymosund R. Jechiel aus Rom von der Familie Auaw (äsi Llansi) —sind alles poetischen Reizes bar und ihre Sprache ist hart und bar-barisch. Ihre Talmudkenntniß erhielten sie von auswärts. EinR. Mazliah Jbn-Al-Bazak^), Rabbiner in Sicilien, war Zuhörerdes R. Hai Gaon in Pumbadita und kehrte erst nach dessen Todezurück. Einer seiner Jünger, Nathan, Sohn des genanntenR. Jechiel aus Rom, der auch Zuhörer des R. Mose Darschanin Narbonne so. S. 52) war, ist der einzige Italiener aus dieserZeit, der einen Namen in der jüdischen Literatur hat. Er stelltenämlich neuerdings ein talmudisches Lexikon zusammen unter demTitel Aruch (um 1001—2), vollständiger als die früheren Leistungen,aber mit geringer Selbstständigkeit, nur zusammengetrageu aus älterenWerken und namentlich aus den Schriften des R. Chanauel ansKairuan^). Dieses Lexikon wurde der Schlüssel zum Talmud.
Auch R. Kalonymos aus Rom wird als eine talmudische Au-torität genannt. Raschi sprach von ihm mit großer Verehrung; dieWormser Gemeinde ernannte ihn zu ihrem Rabbinen (nach 1096).Allein Schriftliches hat er nicht hinterlassen und irgend einen Ein-fluß scheint er nicht geübt zu haben. — Von der politischen Lage deritalienischen Juden in dieser Zeit schweigen die Geschichtsbücher, einBeweis, daß sie nicht schlimm war. Das Papstthum war damals
1) Maimuni Mastabus äs rssnrrsabioirs sä. ^.rasb. 130 s, oben, lieberJbn-Balam's Schriften Dukes das. II; Orient, Jahrg. 1816. Ltbl. Nr. 29.(Rain? II. S. 6t f. Eine kleine Schrift von ihm über die poetischen Accent-zeichen, edirt von Mercier und neuerlich von G. Pollak Amsterdam 1859 undvon Nutt 1870.
2) Vergl. die Belege oben S. 3 Anmerk. 1.
R. Tam 8. Im-äusoliar Xc>. 225. lieber Nathan Romi vergl. Rapa-port's Biographie desselben in Liknrs bs.-Ibt1rn. Jahrg. XI. lieber seinesVaters Werke vergl. Geiger's Zeitschrift III.