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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

Jbn-Giat's Poesie hat indeß nicht viel Originelles*). Jenergeschmeidige Fluß der Sprache wie des Reimes, jene Anmnth undZierlichkeit, jene hinreißende Wärme und Pracht der Bilder, jenesaubere, künstlerische Ausarbeitung des Einzelnen, der poetische Schmelzund Duft, wie sie den Gedichten Jbn-G'ebirols eigen sind, bliebenJbn-Giat durchaus fremd. Oft dunkel und schwerfällig, hart undrauh in seinen Ausdrücken, räthselhaft in seinen Bezeichnungen, wort-karg bei gedrungener Gedankenfülle, könnte Isaak Jbn-Giat füglichder Kalir der spanischen Schule genannt werden. Er schwängerteoft seine Hymnen mit naturgeschichtlichen und philosophischen Stoffen,die ihnen einen gelehrten Anstrich gaben. Ansprechend sind jedoch seineBüßlieder. In zierlicher Form und reiner Sprache bilden sie inihrer gedrungenen Kürze gleichsam Ruhepnnkte für die betrachtendeSeele. Es sind Gebete um Vergebung der Sünden, Mahnungen zubußfertiger Reue, Rückkehr zu Gott, fromme Wünsche für die Erhal-tung des gebeugten Volkes und seines Heiligthums. Seine zahlreichenliturgischen Dichtungen sind in einigen Gemeinden Bestandtheile desGottesdienstes geworden und haben ältere Stücke verdrängt ^).

Seine philosophische Kenntniß verwendete Isaak Jbn-Giat, umdas räthselhafte Buch mit philosophischem Charakter, das BuchKohelet, zu erklären. Die Arbeit ist von Späteren sehr gerühmtworden, hat sich aber nicht erhalten. Am fruchtbarsten war seineThätigkeit auf talmudischem Gebiete. Er stellte eine Art Compendiumfür die rituelle Praxis über Fest- und Fasttage zusammen, das diereligiös-gesetzlichen Bestimmungen übersichtlich aus Talmud und dengaonäischen Entscheidungen auseinandersetzt ^.)

Isaak b. Reuben Albergeloni (geb. 1043) war in derJugend von Barcelona nach der befestigten Meeresstadt Denia aus-gewandert, wo eine bedeutende, durch Reichthnm und Edelsinn aus-gezeichnete Gemeinde war. Ein angesehener Mann daselbst, Jbn-Alchatosch, gab ihm seine Tochter zur Frau, und er wurde dannzum Rabbinen und Richter ernannt. Die Commentirung des Talmudschien auch diesem dritten Isaak eine würdige und ernste Aufgabe*).Er hatte auch Sinn für systematische Darstellung. Im füufund-dreißigsten Lebensjahre übertrug er R. Hal's Abhandlung übertalmudisches Handelsrecht ans dem Arabischen in's Hebräische und

*> Sachs, religiöse Poesie der Juden in Spanien S. 261.

2) Vergl. Landshuth Zurücks ^.boäa I. III ff.

Seine sind jüngst edirt von Rab. Bamberger, Fürth 1862, undauch llmos besonders von Zomber, Berlin 1864.

*) Abraham Jbn^Daud.