Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

Isaak AlfLßi.

63

bemerkte dabei bescheiden, daß die etwaigen Fehler ihm, dem Ueber-seher, und nicht dem Verfasser zur Last gelegt werden mögen (1078).In hohem Alter verfaßte er ein selbstständiges systematisches Werküber das talmudische CivilrechtZ. Auch ihn begeisterte die Muse inernster Art. Er dichtete neue Asharot, in kerniger aber ungelenkerSprache und zierte seine Verse mit Bibclverseu in überraschendwitziger Anwendung. Isaak Albergeloni ist der erste, welcher denhebräischen Musivstyl durch Verweben von Bibelversen in witzig geist-reicher Umdeutung angebaut hat^). Als er nach Deuia gekommenwar, wanderte der vierte Isaak (b. Mose) Jbn-Sakuai von dortaus, wahrscheinlich wegen erfahrener Zurücksetzung. Er nahm seinenWeg nach Osten und wurde in Pumbadita zum Gesetzeslehrer mitdem Titel Gaon ernannt. So sehr hatten sich die Zeiten geändert.Während das Abendland früher auf die Worte der Gaoneu imMorgenlande lauschte, konnte es jetzt, kaum ein halbes Jahrhundertnach dem Tode des Gaon Hai, Lehrer dem Lande zusenden, wo dieWiege des Talmud stand, und ein Manu, der in Spanien keineAnerkennung fand, war für das einst stolze Pumbadita noch immereine Autorität 3).

Sämmtliche vier Isaake übertraf an Talmudkenntniß und scharf-sinniger Auffassung desselben der fünfte: Isaak b. Jacob AlfLßioder Alkalai. Geboren in Kala-Jbn-Hammad, in der Nähe vonFez (1013), hörte er die letzten afrikanischen Autoritäten, R. Nissimund Chananel, und wurde nach deren Tod (um 1050) Träger desTalmud in Westafrika. Gleichgültig gegen die wissenschaftlichen Fächer,welche die begabten Juden Spaniens und Afrikas aus inneremDrang und wohl auch aus äußerem Vortheil pflegten, wendete AlfLßiseinen durchdringenden Geist der Liefern Erforschung des Talmud zu.AlfLßi war eine tief-ernste, selbstständige Natur, die sich nicht in demgebahnten Pfade des Hergebrachten hielt, sondern neue Wege anbahnte.Da im Talmud öfter über ein und denselben Gegenstand wider-sprechende Entscheidungen Vorkommen, so war man bis dahin gewöhnt,sich in der Praxis von den Gaonen leiten zu lassen und ihre Erklä-rungen und Entscheidungen als Norm anzunehmen. AlfLßi dagegenging von den Commentarien zum Texte vor und suchte mit seinemScharfsinn das Sichere, Kernhafte und Ernstgemeinte im Talmud vondem Zweifelhaften, nur obenhin Aufgestellten und dem Nothbehilflichen

Lallaurs Lollsbuot

2) Proben seiner Dichtungen bei Geiger: jüdische Dichtungen der spanischenSchule S. 4, und O^ar Usakurrucl II. 188 f.

") Abraham Jbn-Daud.