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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Die Juden in Deutschland und Frankreich. 51

keine Gewalt angethan werden dürfe. Die Saracenen zu tödten seiChristenpflicht, weil sie die Christen verfolgten, die Inden dagegen,die sich ruhig Verhalten, sollen verschont bleiben. Solche vorüber-gehende traurige Vorfälle wären nicht im Stande gewesen, den Geistder Juden niederzuhalten, wenn er gehoben gewesen wäre; allein esfehlte den französischen und deutschen Inden Schwung und Hochsinn.Sie standen nicht tiefer als ihre christlichen Landsleute, aber auchnicht höher. Ihre Hauptbeschäftigung diesseits und jenseits des Rheinswar das Talmudstudium, das R. Gerschom bei ihnen geweckt hatte').Sie verscheuchen ihren Schlaf, um sich in den Talmud zu vertiefen."

Der bedeutendste unter den talmudischen Autoritäten Frankreichsdieser Zeit war R. Joseph b. Samuel Tob-Elem^) (LonLIs),Rabbiner der Gemeinden von Limousin und Anjou, der abernichts Selbstständiges schuf, sondern nur ältere Sammelwerke, dieOrdnung der Tanaiten und Amoräer, die Entscheidungen des JehudaiGaon und gaonäische Gutachten redigirte und für deren Verbreitungsorgte. Tob-Elem war auch ein fruchtbarer liturgischer Dichter, aberseine Verse sind holprig und durchaus unpoetisch, ganz im Geschmackeder deutsch-französischen Reimerei. Neben ihm werden genannt dreiBrüder (aus Is iilaos?): Elia der alte, Jekutiel und Isaak, SöhneMenahem's, die letzten zwei talmudischen Autoritäten in Orleans.Der Erstere, ein Schwager R. Hai's, war ein liturgischer Dichter,der ebenfalls, wie viele Vorgänger und auch sein Zeitgenosse SalomoJbn-G'ebirol, die 613 Pflichten des Judenthums in Verse brachte(L^barst^). Aber welcher Abstand zwischen dem spanischen und fran-zösischen Dichter! Diese drei Brüder hatten auch eine talmudisch ge-lehrte Schwester, Namens Bellet''). Noch sind von französisch-jüdischen Schriftstellern aus dieser Zeit zu nennen zwei Brüder, diesich beide auf Schrifterklärung verlegten, aber in entgegengesetzterRichtung; beide lebten wohl in 1s Linus. Der Eine, Menahemb. Chelbo"), gab sich Mühe, den einfachen Wortsinn der heiligenSckrift zu suchen. Tief eingehend ist zwar Menahem's Erklärungkeineswegs; denn die jüdischen Gelehrten Frankreichs und Deutsch-lands waren mit der hebräischen Grammatik noch wenig vertraut;sie kannten nur die Anfängerleistung des Ben-Sarnk und Dunasch.

') Selicha des Simon b. Abun von Mainz.

2) Vergl. über denselben die gründliche Abhandlung von Luzzato Lsb lra-O^ar x. 48 ff. und Landshuth ^.rnnclä ^.boäa 86 f.

Vergl. über die Quellen Landshut a. a. O., S. 13 f.

') Note I III.

Vergl. darüber Geiger I?s.isolraiicls.ta, S. 17.