Jbn-G'ebirol.
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Der Schutzgeist der spanische» Juden, Samuel Jbn-Nagrela,scheint sich seiner angenommen und ihm eine Ruhestätte bereitet zuhaben. Dafür verherrlichte ihn Jbn-G'ebirol in wohlklingendenWeisen i). Unter dem mächtigen Schutze des jüdischen Ministersbeschäftigte er sich mit philosophischen Forschungen, welche neben derPoesie seinen Geist erfüllten. Wenn die Dichtkunst seine Geliebtewar, so War ihm die Weltweisheit eine Mutter. Er singt:
„Wie sollt' die Weisheit ich verlassen,
Hab' ich doch einen Bund mit ihr geschlossen!
Sie ist meine Mutter, ich ihr Lieblingskind,
Sie ist meine Zier, mein Halsgeschmeid',
Sollt' meinen Schmuck ich ablegen?
So lang' ich leb', wird sich mein GeistZu ihrer Himmelshöhe schwingen,
Ich ruhe nicht bis ich ihren Urquell aufgefunden/'2).
Wie Jbn-G'ebirol noch halb als Kind die schwierigsten Kunstformenfür die hebräische Poesie schuf und sie wie mit spielender Leichtigkeitbehandelte, so stellte er, noch halb Jüngling, ein Gedankensystem überdie höchsten Probleme ans, welche den menschlichen Geist beschäftigen.Wohin geht das höchste Ziel des Menschen? Was ist das Wesenund der Ursprung der Seele, und wohin gelangt sie nach dem Scheidenvom irdischen Schauplatze? Wie ist das höchste Wesen zu begreifen,und wie hat es, einig und vollkommen, das Vielfache, Gespaltene undMangelhafte, die sichtbare Welt, hervorgebracht? Für diese und nochviele andere metaphysische Fragen versuchte Jbn-G'ebirol eine Lösung,aber nicht für das gläubige Gemüth, sondern für den urtheilsfähigenmenschlichen Geist, um ihm im unendlichen Weltenraume seine Stelleanzuweisen, ihm den Blick zu öffnen für die unsichtbare Geisterweltüber ihm und für das Verständniß der Sinnenwelt unter ihm, damiter dem innigen Zusammenhang beider nachspüre. In diesem Systementwickelte er einen so übersprudelnden Jdeenreichthum und eine soüberwältigende Gedankentiefe, daß der Denker sich zusammennehmenmuß, ihm folgen zu können. Ihm aber entwirrten sich die so sehr
Auch eine klagende Aeußerung in seiner Bußhymne (Lstsr Llalellnt) sprichtdavon, worauf Or. M. Sachs aufmerksam gemacht hat (religiöse Poesie derJuden in Spanien 213, 3).
y Vergl. Note 3 II.
2) Das. Nr. 7 Ende. Schon in dem Gedichte nach der Verbannung ausSaragossa deutet er an, daß er sich fortan der Metaphysik zuwenden wolleund in ihr Ruhe zu finden hoffe (Nr. 1 Ende) Daraus ergiebt sich, daß ersein philosophisches System nach 1045 geschrieben hat. In L. Llal. deutet eran, daß er die Hälfte seines Lebens — 35 Jahre — bereits hinter sich hatte,es also um 1055 verfaßte.