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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

verwickelten Gedanken, welche das ganze Weltall von dem Urwesen,die ganze Stufenleiter der Wesenheiten, bis znm starren Stein herabumspannen, so leicht und so faßlich, daß er für Alles das passendste Wortund das entsprechendste Bild fand. Ja, einen Theil dieser Gedankengoß er in ein Gedicht, in Gebetform (Lster Llalokut) das anErhabenheit, Schwung und Wahrheit seines Gleichen sucht. Allerdingswaren die leitenden Ideen des Jbn-G'ebirol'schen Systems bereitsfrüher von älteren Denkern ausgesprochen worden, namentlich hat ersie aus der Philosophenschule der Neuplatonikcr entlehnt, welche denletzten Ausläufer der griechischen Philosophie bildeten. Er knüpftedaran an, weil diese halb poetische, halb gedankliche Weltanschauungseiner Dichterseele am meisten zusagte. Allein da Jbn-G'ebirol dieseGedanken nicht aus direktem Verkehr mit der neuplatonischen Schuleüberkommen hatte über ein halbes Jahrtausend war verflossenseitdem sie der Kaiser Justinian in Athen schließen ließ sie ihmvielmehr in verstümmelter Gestalt und in schlechter Uebersetznng durchsyrische und arabische Dolmetscher Angeführt worden waren, und daer auch den Gedankenkreis des Judenthums über Gott und Welt-schöpfung damit in Verbindung brachte, so kann man sein metaphysischesSystem dennoch sein Eigenthum nennen. Er war mindestens originellerals die mohammedanischen Philosophen Alfarabi und Jbn-Sina(Abicenna), welche Aristoteles sklavisch folgten. Jbn-G'ebirol hat auszerstückelten Gedankengliedern ein organisches Ganzes geschaffen. SeinSystem entwickelte er in einem Werke, das er dieQuelle des Lebens"(Llekor Oinffiw, laus vitas) oder auchlieber den allgemeinen Welten-grund" (äs nmtsrla universal!) nannte, und zwar in arabischer Sprache,die er eben so gewandt wie das Hebräische beherrschte. Ein christ-licher Kaiser hat den Tempel der Philosophie in Athen aufgehobenund ihre letzten Priester in die Verbannung geschickt. Sie war daherseit der Zeit in Europa geächtet, mindestens fremd und mußte ihreHeimath in Asien anfschlagen. Der jüdische Denker Jbn-G'ebirolverpflanzte sie zuerst wieder nach Europa und baute ihr einen Altarin Spanien, wo sie seit der Zeit eine bleibende Stätte fand.

si Die neuplatonich-christlich-mystische Philosophie des Johannes ScotusErigena um 858 hat wenig Einfluß geübt und war in Europa ziemlich ver-schollen. Der arabisch-spanische Philosoph Jbn-Baga (Aven-Pace> schrieb erst1118, die ersten namhaften christlichen Scholastiker, Wilhelm von Champeauxund Abelard, traten um dieselbe Zeit auf. Folglich war Jbn-G'ebirol dererste Philosoph des Mittelalters in Europa. Er war aber bis im Anfangdes jetzigen Jahrhunderts vollständig vergessen. Jourdain hat ihn erst unterdem Namen Avicebron erweckt, ohne etwas Bestimmtes über ihn und seinSystem zu wissen. Munk bleibt das ungeschmälerte Verdienst, ihn der Geschichte