Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

Jekutiel Jbn-Hassan und Jbn-G'cbirol.

27

Saragossa eine hohe Stellung unter dem König Jachja Jbn-Mondhireingenommen zu haben ähnlich der Samuel Jbn-Nagrela's in Granada.Er wird als Fürst über Fürsten geschildert,auf dessen Worte Hohelauschen."Die Regierung der Könige ruhte auf seiner Schulter,nach seinem Ausspruche verwalteten die Fürsten und auf seinen Winktraten die Räthe zusammen." Jekutiel Jbu-Hassan wird auch alsfürstlicher Spender besungen,der wie ein Vater für Alle sorgt, dessenMund für Jedermann eine Heilsbotschaft, dessen Herz voll milderFreigebigkeit ist, und dessen Lippen stets die Treue bewahren."Erbeherrschte mit seinem Herzen die Herzen, flehte die Armen an, vonihm Gaben anzunehmen, und zwänge sie dazu, weigerten sie sich deß."Dieser hochgestellte Mann Saragossa's nahm sich des verlassenenDichters Jbn-G'ebirol liebend an, unterstützte ihn und sänftigte seinaufgeregtes Gemüth durch freundliche Reden (um 1038 ^). Jbn-G'ebirol'sMund floß auch zum Lobe seines Gönners über. Seine Phantasie ent-lehnte der Natur ihre Reize und der Bibel ihre Bilderpracht, um Jekutieldamit zu verherrlichen. Er legte ihm die ganze Welt zu Füßen.Jekutiel'sernstes Wort ist wie ein Feuerbrand, sein mildes wie erfrischenderThau."Geböte er der Welt zu wanken, so würde sie gehorsamseinen Befehl vollziehen." Wer will dem siebzehnjährigen Dichtermit beflügelter Phantasie lieb ertreibungen zum Vorwürfe machen?Im Schutze seines hochgestellten Gönners öffnete sich Jbn-G'ebirol'sHerz einer heiteren Lebeusanschauung. Er konnte in Saragossa einwenig aus sich selbst, aus seiner brütenden Gedankenwelt heraustretenund an der Gegenwart Genüge finden. Sein weiches, zärtlichesGemüth war für Freundschaft geschaffen, und er erwarb sich mehrereFreunde, an denen er mit der ganzen Gluth seines schwärmerischenHerzens hing und deren Zuneigung er mit dem Golde der Poesie be-lohnte. Seine Muse besang in dieser Zeit seinen Gönner, seine Freunde,die Weisheit, die Natur. Seine Natnrschilderungen sind lebhaft, an-schaulich, feurig.

Aber als gönnte ihm das Geschick keine behagliche Stimmung,entriß es ihm den Beschützer, ehe er sich noch in ein freundlichesDasein einleben konnte. Jekutiel wurde ihm und allen Edeln plötz-lich entrissen. Er wurde wahrscheinlich in den Sturz des Königsvon Saragossa hineingezogen, welchen eine Palastrevolution herbei-geführt hatte. Abdallah Jbn-Hakam, ein Vetter des Königs JachjaJbn-Moudhir, verschwor sich gegen seinen königlichen Verwandten,überfiel ihn plötzlich in dessen Palaste, schlug ihm das Haupt ab

st Bergt Note 3 II.