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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Geschichte der Juden.

Sehe ich lachen, weint mein Herz,

Weil das Leben mir verkümmert ist.

O Freund! Soll ein Sechszehnjähriger stets nur klagen,

Der sich seiner Jugend freuen sollte, gleich einer Lilie im Thau!

Mein Herz richtet mich von Kindheit an,

Darum ist meine Seele gebeugt.

Indessen was nützt's, sich zu härmen.

Schweig' und hoff' mein Herz, für jede Wunde giebt's Balsam.

Was nützt's zu klagen über Drangsal,

Was frommt die nimmer ruhende Thräne"!*)

In dem Alter, in welchem die meisten Menschen noch tändeln,war Jbn - G'ebirol bereits ein vollendeter Dichter und bekundete eineMeisterschaft, durch welche er alle Vorgänger verdunkelte. Man sieht esseinen Gedichten an, daß er nicht nach Wort und Reim, nicht nachGedanken und Bild zu suchen brauchte, sondern daß ihm Alles inFülle zuströmte. Dabei weiß er Maß zu halten, um die Linie, welchedas Schöne vom Uebertriebenen scheidet, nicht zu überschreiten. Diegreise hebräische Sprache verjüngte sich an dem gluthvollen Herzendieses dichterischen Kindes und wurde die treue Dolmetscherin seinerGedanken und Gefühle. Wie ernst und tief muß er sich schon inzarter Jugend mit der heiligen Sprache beschäftigt haben, daß er siewie eine lebendige, mit der Muttermilch eingesogene zu beherrschenvermochte! Er machte sie biegsam, glättete und verfeinerte sie, undsie schmiegte sich ihm wie einem Liebling an. Das hebräische Vers-maß erweiterte dieser junge Dichter vielfach und veredelte es zuohrenschmeichelndem Klange. Die Muse, die weder in der biblischennoch in der ncuhebräischen Poesie unter einem Bilde angeschaut wurde,personificirte er zart und sinnig, im Geist der hebräischen Sprache,als Taube mit goldnen Fittigen und süßem Laute ^). Mit Rechtwurde er Meister der Dichtkunst und der Beredtsamkeit genannt undzog die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen auf sich ").

In seiner Verlassenheit und Noth fand der junge Dichter einenTröster und Beschützer an einem Manne, den Jbn-G'ebirol's Poesieverherrlicht und verewigt hat, ohne welche er ganz unbekannt gebliebenwäre. Jekntiel Jbn-Hassan oder Alhassan^) scheint in

r) Das. Nr. 3. °) Das. Nr. 14, 22, 34.

2) Mose Jbn-Esra bei Munk, NslavAss x. 263 f.

Vergl. über ihn Frankel Monatsschrift Jahrg. 1858, S. 454 ff. und.Zeitschrift der deutsch, morgenländischen Gesellschaft. 1859. S. 515. Jekntielb. Hassan mit dem Astronomen Hassan b. Hassan zu identificiren, istdeswegen unzulässig, weil dieser bereits im Jahre 971, als er sein astronomischesWerk ausarbeitcte, ein Greis genannt wird, also nicht im Jahre 1039 ermordetworden sein kann. Auch schildert ihn Jbn-G'ebirol nicht als Greis.