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6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
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Jbn - G'ebirol.

Hunderts, der jüdische Plato, geboren und erzogen, an dem sich vieleHerzen erwärmt und viele Geister erleuchtet haben.

Es scheint, daß Jbn-G'ebirol seine Eltern früh verloren hat,und daß sie ihm kein Vermögen hinterlassen haben. Er hatte nichteinmal einen Bruder, in dessen Brust er sein weiches Gemüth hätteausschütten tonnen. Er klagt daher über seine tiefe Verwaistheit mitWorten, die den Leser zum Mitgefühl Hinreißen:

Schmerzgebeugt ohne Vater und Mutter,

Jung und vereinzelt stehe ich da.

Keinen Bruder, keinen Freund nenne ich mein/")

Sein weichgestimmtes, Poetisches, zur Schwärmerei geneigtesGemüth wurde in Folge dieser Verlassenheit noch mehr verdüstert.Der Knabe kannte nicht den Frohsinn der Jugend, und über die Zügedes Jünglings streifte niemals der Sonnenstrahl des Lächelns. Jbn-G'ebirol vergegenwärtigt das Bild eines Jünglings, den Melancholieund Forschung frühzeitig zum Greise gemacht haben. Er selbst maltsich in diesem Bilde:

Ich bin das Kind, mit dem Herzen eines Achtzigers.

Mein Leib wandelt auf Erden, mein Geist schwebt auf Wolken." fl

Er zog sich, von der Außenwelt abgestoßen, in sich selbst zurückund vertiefte sich in sein reiches Innere, das voller Sang und Ideenwar. Die Poesie und der philosophisch durchleuchtete Glaube warendie beiden Engel, die ihre Fittige schützend über ihn ausbreiteten undihn vor Verzweiflung bewahrten. Aber sie vermochten nicht, ihmFreude ins Herz zu gießen, seine Gesinnung blieb ernst, und seineLieder haben daher einen vorherrschend düsteren Zug. Die erstendichterischen Ergüsse seiner Seele waren sicherlich Gebete, die ganzeigen geartet sind, die Seele vom Irdischen loslösen und sie vorGottes Thron unter die Chöre lobsingender Engel versetzen. Nochan der Grenze des Knabenalters dichtet Jbn-G'ebirol über Kunstformenmit einer Vollendung, die das geborene Genie kennzeichnet. Ausseinem sechszehnten Lebensjahre stammt ein Gedicht, das voller Trauerist und das Merkwürdige hat, daß der junge Dichter darin alters-reife Betrachtungen über sich und sein Geschick anstellt:

fl Lollirs Lolisloino, Sammlung der weltlichen Lieder Jbn-G'ebirol's,herausgegeben von Dukes (Hannover 1858) Nr. 1. Auch zum Theil zusammen-gestellt in Graetz Blumenlese und Geiger's G'ebirol 1864. Seine liturgischenLieder von S. Sachs herausgegeben und erläutert,fl Bei Dukes das. Nr. 9. S. 14.