Druckschrift 
6 (1894) Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027) bis Maimunis Tod
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

Samuel Nagid.

17

Er eröffnete die Erlasse mit den Worten: Olmwäu -1 - lilabi (GottLob), fügte, wenn er Mohammed's Namen zu nennen hatte, denBeisatz hinzu:Gott möge über ihn beten und ihn segnen." Ermahnte diejenigen, an welche die Regiernngsschreiben gerichtet waren,ferner nach der Vorschrift des Islam zu leben; kurz seine Erlassewaren ganz und gar in mohammedanischem Style gehalten^).

Ohne Zweifel haben Halms und später Badis dem jüdischenWesir auch eine gewisse Macht über die jüdischen Gemeinden desgranadischen Königreichs eingcräumt, wie sie vor ihm Chasdai undJbn-G'au in Cordova besaßen. Samuel war nämlich OberhauptundFürst" (Nagid) der Juden; diesen Titel führt er bei jüdischenSchriftstellern. Der Staatsminister war zugleich Rabbiner, standeinem Lehrhause vor, hielt Vorträge vor Jüngern über den Talmud"),erließ gutachtliche Bescheide ans religiöse Anfragen, kurz erfungirte vollständig wie ein Rabbiner jener Zeit. Mit derselbenFeder, mit der er Regiernngserlasse ausfertigte) schrieb er auch Gut-achten und Abhandlungen über den Talmud. Samuel Nagid stelltezuerst eine Methodologie des Talmud (ülobo-ba-Nalmnä ^) auf, woriner die technischen Ausdrücke klar und faßlich erläuterte. Als Ein-gang dazu fügte er die Traditionskette zusammen, die Reihenfolgeder mit Autorität bekleideten Träger des Jndenthums von den Männernder großen Versammlung durch die Tanaiten, Amoräer, Saburäerund Gaonen hindurch bis auf R. Mose und R. Chanoch, seine Lehrer.Er verfaßte auch einen Commentar zum ganzen Talmud für die reli-giöse Praxis, der von den Späteren sehr geschätzt und als Norm an-erkannt wurde (Ililobkta dsbriats ").

Samuel Jbn-Nagrela war auch neuhebräischer Dichter undverstand Reim und Versmaß gewandt zu handhaben. Er verfaßteGebete nach Psalmeuart mit voller Glaubensinnigkeit und Hingebungund nannte die Sammlung den jungen Psalter (Len NelüIIiw).Er componirte gedankenreiche Sentenzen und Parabeln, eine Frucht

^) Jbn-Chajan a. a. O. S. 96.

2 ) Folgt aus Abraham Jbn-Daud's Darstellung 8. Iia-La.bbs.la.li.Lwstsiäam, 73 bis Ende, 74 a, und aus dem Lobgedichte des Dichters Josephb. Chasdai bei Dukes Lavbal Lsckulliim p. 20.

In der Gutachten-Sammlung l?ssr ba-vor Lo. 185 und an andern

Stellen.

Ist zum Theil gedruckt in den Talmudausgaben; der historische Theilist von Abraham Jbn-Daud und Anderen benutzt. Fragmente daraus befindensich im Besitze Carmoly's handschriftlich.

°) lilsiri lZsb ba-lZsobira sci. Stern Einleitung S. ll. Vergl. Asulasub voos 8amusl RaZicl.

Graetz, Geschichte der Juden. VI. 2