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Geschichte der Juden.
„Wessen Rath lauter ist gleich dem Sonnenlicht, wer rein ist vonder Lüste Flecken, wessen Augen sich nicht dem Schlafe schließen,wessen Gedanken fest wie Thürme, wen die Würde gleich Waffenglanzumstrahlt, wer den Willen Anderer sich unterthan zu machen weißund sich fern hält von dem, was Schande bringt, der ist der Herr-schaft würdig" ^). Seine Weisheit und Frömmigkeit bewahrten ihnvor jenem Hochmuth, der Emporkömmlingen so eigen ist und sie ver-haßt macht. Daher konnte sich Samuel fast drei Jahrzehnte inseiner hohen Stellung als Regent des Königreichs Granada be-haupten.
Seine Sanftmuth, mit der er seine Gegner zu entwaffnen wußte,vergegenwärtigt eine Anekdote. In der Nähe von Habus' Palastehatte ein muselmännischer Gewürzkrämer einen Laden, und so oftdieser den jüdischen Minister in Begleitung des Königs sah, über-häufte er ihn mit Schimpfwörtern und Flüchen. Habus, daroberzürnt, befahl einst Samuel, den lästigen Fanatiker zu züchtigenund zwar ihm die Zunge ausschneiden zu lassen. Der jüdische Wesirkannte aber ein anderes Mittel, den Fluchenden stumm zu machen.Er gab ihm Geld, und dieses verwandelte sein Fluchen in Segen fürihn. Als Habus einst den Gewürzkrämer wieder bemerkte, war erdarüber verwundert und stellte Samuel zur Rede. Dieser antwortete:„Ich habe ihm die böse Zunge ausgerissen und ihm dafür eine gutegegeben" ^). Uebrigens war dieser Gewürzkrämer nicht sein einzigerFeind, er hatte deren manche und sehr gefährliche. Fanatische Mohamme-daner sahen in der Erhebung eines „Ungläubigen" zu einem so hohenRange, der ihm die vollziehende Regierungsgewalt in die Hände gab,eine Verhöhnung ihrer Religion. Es erregte ihren Unwillen, daßdie zahlreiche jüdische Bevölkerung des Königreichs Granada dasHaupt erhob und sich den Moslemin ebenbürtig fühlte.
Das Glück war aber auch diesem jüdischen Wesir günstig, obwohler nahe daran war, seine Stellung und vielleicht auch sein Leben zuverlieren. Als der König Habus gestorben war (1037), entstandenin Granada zwei Parteien, die sich um zwei Prinzen schaarten. Diemeisten berberischen Großen und auch einige einflußreiche Juden:Joseph-Jbn-Migasch, Isaak b. Leon und Nehemia Eskafa
st Samuel's Usn-LIIoollls bei Dukes Blumenlese, S. 56, Graetz, Blumen-lese S. 33.
st Handschriftliche Anekdoten-Sammlung in hebräischer Sprache, im Besitzdes Herrn Carmoly, der die Freundlichkeit hatte, mich davon Einsicht nehmenzu lassen.