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Geschichte der Juden.
Anstößige Talmudstellen deutete R. Hai nur, um ihnen einen zu-sagenderen Sinn zu geben. Er wurde einst gefragt, wie es mit demtalmudischen Ausspruche zu halten sei, daß ein des Gesetzes Unkundiger(Lm-Im-^rori) kein Fleisch genießen dürfe, daß sein Vermögen herren-los und er selbst als vogelfrei zu betrachten sei. Manche hielten sichernstlich an diesen Ausspruch und machten sich kein Gewissen daraus,sich das Vermögen solcher Ungebildeten widerrechtlich anzueignen.R. Hal erwiderte darauf sehr scharf und entschieden, daß diejenigen,welche den Talmud in diesem Sinne auffaßten, selbst vogelfrei erklärt zuwerden verdienten^. — In seiner freieren Auffassung des Juden-tums gestattete er den Umgang mit Karäern^) und erlaubte sogar,daß sie ihre Kinder am Sabbat beschneiden.
R. Hai hatte sich auch in der Dichtkunst versucht, aber dieUeberbleibsel seiner Muse zeugen nicht von bedeutender poetischerBegabung. Er hat zwar den jüdisch-spanischen Dichtern die An-wendung des Versmaßes entlehnt und es für ein liturgisches Stückbenutzt; aber der regelrechte Versbau verdeckt nicht die PoetischenBlößen. Indessen wenngleich die poetischen Erzeugnisse R. Hai's vonSeiten der Form verfehlt erscheinen, so sind sie inhaltlich um so be-deutender. Sein hundertneunundachtzig Verse enthaltendes Sinn-gedicht iMnesar dasstsl) ist eine Perlenschnur von kernigen Sittenregeln,die er aus der Schrift, dem Talmud und dem eignen Herzen geschöpftund epigrammatisch zugespitzt hat. Es erinnert an die SalomonischenSprüche und an das phokylideische Mahngedicht (B. Ill.g S. 288).Dieser gediegen sittliche Inhalt des Gedichtes ist würdig befundenworden, ins Lateinische übersetzt zu werden^).
Durch R. Ha'i's Verdienste hatte sich die pumbaditanische Hoch-schule wieder ein wenig gehoben. Er wurde von vielen Seiten alsAutorität anerkannt. Die großen Lehrer R. Nissim und R. Chananelaus Kairuan, R. Abraham Kabasi (aus Kabes in Nordafrika), dieGemeinde von Fez, der Wesir R. Samuel Nagid, R. Gerschom ausMainz und noch andere Autoritäten und Gemeinden dreier Welttheilewendeten sich an ihn mit Anfragen und huldigten ihm, als dem
*) Nssxonss. Claonim Lollaars Tssolludall Ilo. 23
2) Ns.iin.ruii rssponsrun in der Briefsnmmlung sä. ^.rnsbsl. p>. 45 s, l>und Nssponss. David Jbn-Abi-Simra II. Ilo. 798 p>. 37 ä.
2) Das Gedicht ist abgedruckt in Duke's Ehrensäulen. Die lateinische Ueber-setzuug von Jean Mercier esnties. sruäibionis iubsllseinis susbors xersslsdriA. Hai (Paris 1561), zuletzt von Caspar Seidel; os.rrnsii rnors-ls arpnPv-slsAsntissirnuiii R.. Ollai, in dessen rnsuixuli liuANss saaiotss«Leipzig 1638); vergl. Fürst Lidliobllsos. jrräsioa I. 356. Das Gedicht sührteauch den arabischen Titel (rmiin) von dem Versmaße.