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Geschichte der Juden.
schleier, mit dem Nimbus der Religion gefärbt, den Schwachköpfigenals eine Sonne erschien, ihm aber als ein Irrlicht galt.
Der Wunderglaube, der unter allen Zonen, in allen Religions-formen und zu allen Zeiten die gedankenlose Menge befangen machtund ihr den freien Blick in die Weltordnung und in die göttlicheWeisheit raubt, hatte unter den Juden, von mannigfachen Elementengenährt, einen breiten Platz gefunden, ebenso wie in der christlichenund islamitischen Welt. Er war besonders heimisch in Palästinaund Italien und machte auch in anderen Ländern Propaganda. DieWahnbefangenen glaubten, der wahrhaft Fromme könne zu jeder ZeitWunder thun, ebenso bedeutende und überraschende, wie ehemals diePropheten. Sie mußten sich aber dazu magischer Formeln, namentlichder Buchstabenversetzung des heiligen Namens bedienen. Schriebeman den Gottesnamen auf gewisse Blätter oder Scherben, so könneman damit Räuber bändigen, sich unsichtbar machen, große Räumeim Nu durchlaufen, das stürmische Meer besänftigen, einem Menschenaugenblicklich den Tod geben und noch andere Wunder verrichten.Aeltere mystische Schriften, welche Mittel für Munderthätigkeit an-gaben und als Spiel einer ausschweifenden Phantasie verfaßt wurden,galten den Späteren als unfehlbare Weisheit. R. Haii's wahreReligiosität sah dagegen in solchem Wahnglauben eine Schändung undEntweihung der Religion und sprach sich mit Entrüstung darüber aus,obwohl sein Vater, für ihn eine Autorität, nicht frei davon war. EinJünger des Jakob b. Nissim aus Kairuan hatte bei R. Hai einstangefragt, was von der magischen Wunderkraft der Gottesnamen, derensich Manche rühmen, zu halten sei, und er antwortete darauf bündigund einsichtsvoll: all das sei Wahn und Aberwitz. Aber die Kairuanerfühlten sich von dieser Antwort nicht befriedigt, zumal sie vonpalästinensischen und römischen Weisen gehört hatten, daß diese selbstWuuderthaten vermittelst der mystischen Formeln des Gottesnamenserlebt hätten. Sie baten daher R. Hai wiederholentlich, ihnen gründlichenBescheid darüber und über manches andere zu geben, wie über dieBedeutung von Träumen und Zaubereien. Sie wünschten besonders,daß er ihren Zweifel lösen möge, da sie auch im Talmud dieWunder - Wirksamkeit von ausgeschriebenen Gottesnamen bestätigtfänden.
Auf diese zwei Anfragen schrieb R. Hai eine ausführliche,kernige, einschneidende Antwort, die wegen ihrer vernünftig nüchternenHaltung um so mehr inhaltlich bekannt zu werden verdient, alsSpätere R. Hai zum Parteigänger der Mystik gemacht haben. „Wennes Jedermann möglich wäre, durch Formeln (blussollim) Wunder zu