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Geschichte der Juden.
zum Lesen" — „diejenigen sind berechtigter, welche die griechische Sprachezum Lesen (Vorlesen) ihrer heiligen Schrist hinzunehmen wollen" (rH,- kllyrlü»v wri/r rsr — 7rpnal«^/?arktr), „es ist den Hebräern gestattet,
die heilige Schrift in ihren Synagogen in der griechischen Sprache zu lesen"(dl» «ry? kl/.yi'lüos räx lkpä; /?k/?/.aas »r«)-ti-vdiaxk^v 1 , ich sage, aus dieser
Fassung muß man folgern, daß die griechische Partei sich einer bereits vorhandenengriechischen Version bedienen wollte, um daraus neben dem Hebräischen uorzu-lesen. Sie verlangte, soweit Justinian ihre Intention verstanden hat, einedoppelte Recitation, Hebräisch und Griechisch. Man darf also hierbeinicht an eine meturgamistische Uebersetzung Vers um Vers denken. Daherempfiehlt ihnen der Kaiser zunächst die Septuaginta und in zweiter Reihe dieAquilaische Version, als bereits vorhandene Versionen').
Ein noch wichtigerer Punkt in der Novelle ist das Verbot der Deute-rosis: „Die von ihnen sogenannte Deuterosis verbieten wir ganz und gar"
unter diesem Worte zu verstehen? Einige Erklärer verstehen darunter den ganzenTalmud, Andere bloß die Mischnah. Aber Beide haben den Zusammenhangder Novelle verkannt. Es ist in dieser Novelle nur vom Gottesdienst in denSynagogen die Rede, wohin doch Mischnah und Talmud keineswegs gehören.Was auch Deuterosis bedeuten möge, es muß jedenfalls einen Bestandteil desGottesdienstes ausgemacht haben. Der Zusammenhang der Novelle fährt un-bedingt darauf. Der Kaiser erklärt diejenigen im Rechte, welche das Vorlesenans dem Griechischen neben dem Hebräischen in den Synagogenwünschen, weil es für Jedermann verständlich ist, verbietet sogar das Hebräischeallein zu gebrauchen, empfiehlt die Septuaginta, weil darin prophetisch aufJesus hingewiescn sei, gestattet aber auch den Aquila und andere Versionen.„Aber die sogenannte Deuterosis verbieten wir ganz und gar, weil sie nichtin den heiligen Büchern enthalten, noch von oben durch die Propheten überliefert,sondern eine Erfindung (-!-,!(»(»-) von Menschen ist, die aus der Erde spricht
und nichts Göttliches in sich hat." Führt schon das ü- (rhr -ö-orkana-»)
aas eine Verknüpfung mit dem Vorhergehenden, so erfordert es noch mehr derdarauf folgende Passus: „Sie sollen die heilige Schrift selbst lesen, die Bücherselbst öffnen (»rr»? öl I--:
aö-r»? «v«7rrüaaoi'r-s) und nicht das darin Verkündete verheimlichen, indemsie das von außen hergekommene ungeschriebene Geschwätz zum Verderben derEinfältigen dabei anwenden" (r»§ esti-lUr üt
xkiwv»"'-»?). Also beim Verlesen aus der heiligen Schrift sollen sich die Judennicht der Deuterosis bedienen, welche hier näher erklärt wird durchx-rn«, Man braucht nicht lange zu ralhen, daß unter Deuterosis der
agadische und halachische Midrasch zu verstehen ist. Man muß dasWort in dem Sinns nehmen, wie es die Kirchenväter brauchen. Hieronymus,Epiphanius und Andere nehmen ükvrLAowr? gleichbedeutend mit 7r»y»Soa-x(vergl. Hieronymus Comment. zu Jesaias 3 l4 und Epiphanius aävsrsusUnsres. 13): i) Trapciümt? rr«jl »s-r-»? (°/ovü«ioi?) ükvrt'aMvt? x»Ulra<.Unter der Ueberlieferung verstehen sie aber in ihrem Sinne wirkliche Zusätzezu der heiligen Schrift und wirkliche Deutung derselben von Seiten derPharisäer; sic sprechen selten von der 7r»^«S«a^, ohne sie als x-roP-,»-/» zubrandmarken. Da nun der Kaiser Justinian schwerlich die Novelle selbst stylisirt
') Vergl. Kodak pir- VI. S. 126.