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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

Die karäischeu Autoritäten am Ende des zehnten und im Anfangdes elften Jahrhunderts waren: Joseph b. Jakob Alkarkassani*)und die zwei Söhne Jephet's, der schon genannte Levi Halevi undder andere mit Namen Sald. Diese hatten sich sämmtlich von derphilosophischen Forschung abgewendet und erkannten ihr keine Berech-tigung in religiösen Fragen zu. Said b. Jephet verwarf sogar dievon den älteren karäischeu Lehrern festgehaltene Regel der vernunft-gemäßen Auslegung der Schrift. Dem Verstände, meinte er, dürfekeine Stimme eingeräumt werden; denn er verbietet Manches, wasdas Gesetz gestattet, und gestattet, was das Gesetz verbietet ^). JosephAlkarkassani (um 970 lOOO) aus Circesium am Euphrat, derauch in Egypten lebte und liturgischer Dichter war, verfaßte einenCommentar zum Pentateuch und ein Gesetzbuch: Wurzel der Religion(8. Lsrssolüt, UssuI-al-Oio). In Betreff der rituellen Bestimmungenwar er von äußerster Strenge. Er hielt an dem System der weit-ausgedehnten Verwandtschaft fest und behauptete, der Genuß einerSpeise, die durch eine religiöse Uebertretung erzeugt wurde, sei strengverpönt^). Jephets Sohn, Levi Halevi, verfaßte (1007) ein Werküber die religiösen Pflichten des Judeuthums (8. Im Lliswot), und seinBruder Said ergänzte es später^). Die zahlreichen Schriften überdieses Thema, welche seit Anan erschienen waren, genügten noch immernicht, weil mit jeder Generation, ja mit jedem karäischen Weisen neueSchwankungen und Ungewißheiten im Karäerthum hinzukamen. Abu-Hischam Levi Halevi konnte mit seinem neuen Werke das Grundübeleben so wenig heilen, wie seine Vorgänger und Nachfolger. Er stelltenur die verschiedenen Meinungen neben einander und entschied sichbald für die eine und bald für die andere. Das Karäerthum ver-gegenwärtigt das Jammerbild vom Welken vor der Blüthe, das tal-mudische Judenthum dagegen glich einem alten Kernstamme, der anseiner Krone frisches Laub und duftende Blüthen treibt und in seinemInnern immer neue Jahresringe ansetzt. Es entwickelte sich aus ihmheraus ein neuer Knotenpunkt einer reichen, mannigfaltigen Epoche,die, wenn auch den von mancher Seite belächelten Namen: die rab-binische tragend, darum nicht weniger glanzvoll ist. Die Sonneder jüdischen Geschichte ging im Osten unter, um im Westen strahlenderaufzugehen.

') Vergl. Usvus äss Ut. j. V. 209.°) Hadassi das. Nr. 168.

Bei Pinsker S. 85, 192, 200.

») Das. 87 ff., 182.