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Das Karäerthum.
banden waren, so nahmen die chazarischen Juden nach und nach dasKaräerthum an. — Am Ende des elften Jahrhunderts bestand bereitseine jüdische Gemeinde in der russischen Hauptstadt Kiew, wahrschein-lich aus der Krim eingewandert, und bewohnte eine eigene Straße.Die Juden wurden wahrscheinlich von dem Großfürsten Swiatopolkwegen ihrer Brauchbarkeit für Gewerbe und Handel, wozu die wilden,kriegerischen Russen keinen Sinn hatten, herangezogen und begünstigt^).Es läßt sich aber nicht ermitteln, ob die ersten jüdischen Gemeindenin Rußland zu den Rabbaniten oder Karäern gehörten.
Je weiter sich die Karäer ausbreiteten, desto mehr kamen sie mitihrem Grundprincip in Widerspruch und arge Rathlosigkeit. ZweiPunkte waren es namentlich, die ihnen große Verlegenheit bereiteten:der Festkalender und die Verwandtschaftsgrade. In Palästina, ihremUrsitze, bestimmten sie die Neumonde, Schaltjahre und Feste nach derBeobachtung des Neumondes. Die auswärtigen Gemeinden hattenaber kein Mittel, die Festeszeit richtig zu treffen, die babylonischenmorgenländischen und sicherlich noch mehr die weit ab im Nordenwohnenden karäischen Gemeinden waren daher genöthigt, die Feiertageihrer Gegner mitzufeiern und sogar den zweiten Feiertag zweifels-halber gut zu heißen. Einer ihrer Autoritäten in dieser Zeit, SchaiichAbu-Hischam Levi Halevi, der Sohn Jephet's (o. S. 283), gabden entfernten Gemeinden den Rath, zwei Feiertage hintereinander zubeobachten: „denn besser sind zwei als einer" Es entstand sogardeswegen eine Spaltung im Karäerthum, indem die Palästinensischensich von den Morgenländischen trennten ^s. Vergebens verpflichtetensich die Brautleute am Hochzeitstage, die Vorschriften des Karäerthumszu beobachten und die Feste nach der von Palästina ausgehendenWeisung zu feiern^). Es war eine Unmöglichkeit geworden. Derzweite Punkt, die weitgehende Ausdehnung der Blutsverwandtschaft^o. S. 204), erschwerte in kleineren karäischen Gemeinden das Schließeneiner Ehe ungemein, indem die Gemeindemitglieder unversehens in einverwandtschaftliches Verhältniß zu einander traten. Die von JosephRoeh eingeführte Erleichterung jo. S. 256) fand keinen Anklang. WieJephet b. Ali und Abulsari Sahal, so hielten ihre Nachfolger an demstarren System der Uebertragung (Uiklrud) festes.
') Karamsin, Geschichte Rußlands in deutscher Uebersetzung II. l 18. Strahl,Geschichte der russischen Kirche I. S. 131.
2) Levi Halevi citit bei Pinsker Beilage S. 86 f. und Hadassi UsabkolNr. 187. °) Levi Halevi das.
4) Hadassi Usoblrol ba-Lotsr dlo. 10.
°) Vergl. darüber bei Pinsker S. 66 Note.