Juden in Deutschland und Frankreich.
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nicht mehr zulässig, beanspruchten aber auch keine Ehre, sie wären zu-frieden gewesen, wenn man ihnen nur Ruhe, Sicherheit der Existenzund Religionsfreiheit gelassen hätte; aber ihre Ruhe beunruhigte dieVertreter der Kirche und sie war ohne Vortheil für die gewaltthätigenGroßen. In den französischen Territorien waren Barone und Geist-liche im Besitze der Macht. Die Könige waren nach allen Seitenbeschränkt und konnten die Juden nicht vor Willkür schützen, selbstwenn sie den besten Willen dazu gehabt hätten und nicht von derGeistlichkeit zum Judenhasse aufgestachelt worden wären. Hatten frühernur die fanatischen Geistlichen dogmatische Vorurtheile gegen die Juden,so hatte ihr Eifer allmälig auch den, Volke Ingrimm gegen sie ein-geflößt, und dieses, roh und plump, verblendet und verdummt, einSklave des Aberglaubens, sah es in den Söhnen Israels eine gottver-fluchte Kaste, die keines Erbarmens würdig ist. Man traute den Judenallerlei böse Zaubermittel zu, die sie zum Nachtheil der Christen aus-übten. Als der König Hugo Capet,'der sich von einem jüdischenArzte behandeln ließ, an einer schweren Krankheit starb <996), glaubtedas Volk nichts anderes, als daß er von Juden getödtet worden sei,und die mönchischen Chronisten trugen diesen auf nichts begründetenWahn als Faktum in ihre Annalen einZ. Die französischen Judenbesaßen zwar Aecker und Weinberges, aber sie entbehrten Sicherheitder Existenz, welche nur eine einheitliche, geordnete und starke Staats-verfassung und die Herrschaft der Gesetze zu gewähren vermögen. DerBischof von Limoges ließ einen ganzen Monat hindurch den Judendieser Gemeinde das Christenthum predigen und ihnen Jesu Messianitätaus dem alten Testament beweisen. Vergebens; die Juden blieben imSinne der Geistlichkeit verstockt, und nur drei oder vier empfingen dieTaufe. Die Uebrigen wurden mit Weibern und Kindern aus derStadt verwiesen, und Einige von ihnen nahmen sich aus Verzweiflungdas Leben (1010^).
Im französischen Süden, in der Provence und in Languedoc, wodie Königsmacht gar keine Bedeutung hatte, hing das Schicksal derJuden noch mehr von den Launen und den Gesinnungen der Grafenund Vicegrafen ab. In einem Orte besaßen sie Ländereien und Salinenund wurden sogar zum Amte des Landvogtes (Lailli) befördert, ineinem anderen mußten sie sich gefallen lassen, als Hörige behandelt
*) Riollsri llistoris, bei Pertz raoairrasabs. 6tsrras.iiias II. 657.h Doagasb rsoasil XII. p. 215.
2) Oadaasnsis ollrorckoov all aiinuin 1010 bei Pertz raonunr.
Oörra. VI. 137.